• Hin und wieder reibt man sich verwundert die Augen ob der schier unüberschaubaren Anzahl an Stellenangeboten, die es dieser Tage überall zu lesen gibt. Ja, aus allen Ecken der Republik schalmeit es, dass Fachkräfte dringend gesucht werden und das die Zeiten für wechselwillige Mitarbeiter so günstig sind wie nie. Für viele Arbeitssuchende ist das dennoch nicht mehr als Sirenengesang, denn wer sich verleiten lässt, ohne feste Zusage an anderer Stelle seinen Job zu kündigen wird möglichweise ein böses Erwachen erleben. Das große Angebot an hochinteressanten, spannenden Jobs hat dieser Tage insbesondere zwei bittere Beigeschmäcker, die man nicht ignorieren sollte. Zunächst sind da die Auswahlkriterien. Schaut man sich die Wunschprofile der Unternehmen an, fällt auf, dass sie (verständlicherweise) nach dem perfekten Kandidaten mit Multitasking-Abilities, jahrzehntelanger Erfahrung auf vielen Gebieten und in vielen Einsatzsituationen suchen, das Alter des Aspiranten aber möglichst die 40 nicht überschreiten sollte. Man möchte ja langfristig etwas vom Mitarbeiter haben, vor allem, wenn man gewillt ist, in die Person im Rahmen von Fortbildungen zu investieren. Im Bereich des Handwerks mag es zutreffen, dass man sich durchaus auch auf Arbeitnehmer 50+ einlässt, um von deren Erfahrungen zu profitieren, in vielen anderen Branchen ist die Zugehörigkeit zum Club der „Baby-Boomer“ ein k.o.-Kriterium. Besonders Unternehmen, die sich selbst als agil, jung und innovativ verstehen, können das eigene Wunschimage mit dem Alter des Bewerbers nicht überein bringen und lehnen häufig ab. Gerade die Generation 50+ hat dank geburtenstarker Jahrgänge ihr gesamtes Arbeitsleben in einem konkurrenzstarken Umfeld verbracht und weist häufig ein hohes Maß an Flexibilität, aber dafür nicht immer geradlinige Lebens-Arbeitsläufe auf. Das muss kein Nachteil sein, wird aber angesichts aus den Universitäten quellender Straight-Liners durchaus so gesehen.

    Und dann ist da noch die Stellenanzeige als PR Instrument. Selbstredend kann niemand so recht nachvollziehen, ob eine ausgeschriebene Stelle tatsächlich existiert. Tatsache ist jedoch, dass mit einem vergleichbar geringen finanziellen Aufwand der Name des Unternehmens auf Online-Plattformen und in sozialen Netzwerken für einen erstaunlich langen Zeitraum präsent ist. Für Unternehmen hat ein solches Vorgehen (fast) nur Vorteile. Die eintreffenden Bewerbungen können gesichtet und für einen späteren Zeitpunkt gesammelt werden. Auch wenn der Wunschkandidat zum späteren Zeitpunkt bereits wieder unter Vertrag steht, kann man ihn immer noch abwerben. Zum anderen kursieren Stellenanzeigen durch eine Unzahl an Dritt- und Viertanbieter für Wochen und Monate im Netz und der eigene Firmenname gewinnt so einerseits für Suchmaschinen an Relevanz, es entsteht aber vor allem der gewünschte Effekt des scheinbaren Unternehmenswachstums. Für Bewerber ist so ein Vorgehen eine äußerst frustrierende Strategie, durch das Fehlen geeigneter Informationsplattformen fallen solche Anzeigen aber selten als Fake auf. Und dann ist erreicht, was ursprünglich angedacht war: Die Stellenanzeige als Mittel des PR einzusetzen.





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Dienstag, 13. Februar 2018 um 10:47 in der Kategorie Allgemein. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
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