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    Veröffentlicht am Dienstag, 31. März 2015

    von Jutta Schützdeller

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    Ich weiß… Sie halten mich für verückt. Sie sind da nicht alleine, mein Mann denkt das auch und ich kann bestätigen, dass er sich mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zur Wehr gesetzt hat.

    Aber was kann Mann schon ausrichten, wenn Frau wirklich mal etwas von Herzen haben möchte… und damit meine ich nicht das neue Paar Schuhe, dass einer Frau durchaus auch schon mal suggerieren kann, ein Leben ohne wäre möglich, aber vollkommen sinnlos…

    Ich arbeite also schon etwas länger am Projekt “Huhn”. So ungefähr seit dem letzten Sommer, als ich feststellte, dass zu meinem Gemüsegarten nur noch ein glücklich scharrendes, gackerndes Huhn fehlt, dass uns hin und wieder mit leckeren Eiern versorgt. Nachdem meine Freundin Barbara dann berichtete, wenn man Gefahren wie Fuchs, Marder und Bussard trotzen könne, wären Hühner eine feine Sache, weil man sie schließlich ja auch noch essen könne… war ich überzeugt.

    Wie gesagt, mein Mann zunächst nicht….. wirklich….nicht. Aber nach ausreichend langem und wiederholtem Vortragen meines Wunsches zeigte er sich bereit zu einer friedlichen Koexistenz. “Du kümmerst Dich um die Hühner, ich hab mit denen nix zu schaffen. Das das klar ist!” Yes Sir! Aber sicher.

    Der "Bausatz"

    Nachdem der Hühnerantrag positiv beschieden war, gab es natürlich kein Halten mehr. Ich recherchierte mir die Finger blutig nach einem Hühnerhaus, das sich harmonisch in unseren Garten einfügen und meinen Mann nicht ständig daran erinnern würde, dass wir ja jetzt Hühner… Sie verstehen… man will ja nicht übertreiben und so…

    Der Bausatz, der mir laut englischer Beschreibung “Happy Chicken”, also “glückliche Hühner” versprach, war genau das Richtige für meinen Start ins Hühnerhalterleben.

    Halbzeit

    Der Aufbau konnte dankenswerterweise im Haus stattfinden, draußen war es zu diesem Zeitpunkt noch ein wenig zu garstig. Das hätte mir grundsätzlich schon mal einen Hinweis auf eine Fragestellung geben müssen, die irgendwann auftaucht, aber dazu später… jetzt war erst einmal Schrauben angezeigt.

    stallNachdem das gute Stück fertiggestellt war, musste nur noch der Garten soweit vorbereitet werden, um den Hühnern einen guten Start geben zu können. Wir ackerten im Gemüsebeet rum, um dort alle lärmintensiven Arbeiten fertigzustellen, schließlich wollten wir unsere neuen Bewohner nicht gleich zu Tode erschrecken. Meine Recherchen im Netz hatten sich mittlerweile, da die Behausungsfrage ja geklärt war (schien), auf die Frage nach der passenden Hühnerrasse ausgedehnt. Andere Frauen wählen stundenlang die passende Handtasche zum Outfit, ich suche eben genauso lange nach dem perfekten Huhn.

    Jedem Mensch sein Huhn.

    “Meine” Hühner sollten leckere Eier legen, sozialverträglich, also umgänglich und friedlich sein und einen guten Fleischansatz haben, denn das Leben eines Huhnes endet bei mir nicht immer mit dem Gnadenbrot. In meinem Haushalt ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Huhn mit Rosmarin unter dem Flügel im Backofen landet, also sollte es dafür auch geeignet sein und keine ausgelaugte, Hybrid-Legemaschine sein. Und da ich bekanntermaßen ein Freund üppiger Fleischportionen bin, fiel die Wahl sehr schnell auf die Rasse Brahma, denn sie protzte mit Hennen, die 3,5-4 Kilo Gewicht erreichen, von den Hähnen rede ich hier überhaupt erst gar nicht. Das schien mir für “mein” Huhn ein adäquates “Kampfgewicht”, wie der Herr, so’s Gescherr, sagt man ja nicht umsonst, gell?

    Wie gut, dass sich ein Hühnerzüchter aus der Gegend bei unserem örtlichen Raiffeisenhändler angemeldet hatte, eine “Hühnerausstellung” war genau das, was ich brauchte, um meinen Kaufentscheid entgültig zu treffen. “Grünleger” wollte ich, also Hühner, die grüne Eier legen, und die Brahmas wegen ihres Fleisches…. bis ich Aug in Aug mit dem Brahma-Hahn auf der Ausstellung stand und spontan entschied, dass ich erst einmal mit einer kleineren Rasse “übe”, bevor ich mir einen Terrorvogel in den Garten einlade… Das “Hähnchen” reichte mir locker bis übers Knie, wenn so ein Monster entschieden hat, dass es keine Lust hat, in den Stall zu gehen, dann machste da nix…

    Der Züchter empfahl mit “Bielfelder Kennhühner”, lustig braun-gescheckte, etwas rundliche Zeitgenossinnen, sie seien ruhig, hätten ein sonniges Gemüt und seien als “Anfängerhuhn” durchaus geeignet. Also gut denn, ich erstand zwei Araucana-Damen (wegen der grünen Eier) und zwei Bielfelder Kennhühner (wegen der Nettigkeit. Und weil sie auch Eier legen. Braune.)

    Ich war ja schon ziemlich aufgeregt. Aber nicht nur ich. Unsere Freunde waren mit dabei, also zumindest Helge und Cordula standen uns beim Kauf und anschließenden Heimtransport zur Seite. Sie beobachteten genau so gespannt wie ich die ersten Schritte der neuen Bewohnerinnen des abgezäunten Gartenteils.

    Entlassen in ihr neues Gehege waren die Hühnermädels erst einmal ziemlich durch den Wind. Es war Zeit, ihnen Namen zu geben, persönliche Ansprache hilft sicher, das Eis zu brechen…

    IMG_3437Das sind Gertrud und Elfriede. Elfriede ist die “zartere” von beiden und befindet sich im Bildvordergrund. Die Damen sind Bielefelder Kennhühner, weshalb sie selbstredend auch entsprechend anzusprechen sind.  Ein Brahma-Huhn hätte ich Lakshmi genannt, aber ein Bielefelder wird auf sowas nicht hören.

    IMG_3440Diese beiden Damen sind Consuela und Carmen. Consuela ist das linke “Huhn”, eigentlich sieht sie derzeit noch mehr aus wie ein etwas missglückter Rabe. Carmen ist deutlich größer und wenn man sie beobachtet, erkennt man schnell, woran das liegt: Sie konzentriert sich auf das Wesentliche und frisst, während Consuela offenbar noch nicht entschieden hat, ob sie ein Rennhuhn ist oder ein Rabe. Die Sprints, die sie hinlegt, zehren natürlich, da setzt Huhn kein Fett an. Sie kommt so gar nicht nach mir…

    Nun sind sie also da, die Damen. Sie waren ein wenig verhuscht, vor allem, weil sich pünktlich zu ihrem “Einzug” auch noch ein Orkan angekündigt hatte, der nun seit zwei Tagen mit Sturm und Regenschauern übers Land fegt. Die Hühnerdamen sind vermutlich vorwiegend im Stall aufgewachsen, also sind sie mit den Unbilden des Wetters noch nicht vertraut. Am ersten Abend fand ich sie zusammengekauert im Auslauf ihres Stalls (nicht IM Stall), patschnass und zitternd. Ich kann sagen, tropfnasse Hühner sehen… ziemlich bedauernswert aus…

    Aber nun haben wir ihr Haus mit Plexiglas aufgerüstet und ihnen einen trockenen, leidlich windgeschützten Kleinauslauf geschaffen. Sie danken es uns mit fröhlichem Gegurre und einem Abend, an dem sie friedlich das angrenzende Schlafhaus aufsuchten, ohne dass ich mich bei der Jagd nach ihnen im Matsch wälzen musste.

    IMG_3449

    Jetzt bin ich gespannt, wie die vier sich entwickeln.

    Ich werde berichten.

    In diesem Sinne

    Ein fröhliches “Gack”

    Ihre Jutta Schützdeller





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Dienstag, 31. März 2015 um 16:25 in der Kategorie Allgemein. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
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