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    Veröffentlicht am Sonntag, 7. Dezember 2014

    von Jutta Schützdeller

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    Interstellar – Vom Anfang und Ende der Menschheit

    Interstellar

    so eine Reise ans andere Ende des Universums ist lang. Im Fall von „Interstellar“ können das schon mal 3 Stunden sein. Die Reise wird allerdings zu keinem Zeitpunkt langweilig – denn  ein Moment zum Durchatmen ist nicht eingeplant.

    Interstellar sollte man sich, so die Empfehlung meiner Tochter, unbedingt auf der großen Leinwand im Kino ansehen und ich muss ihr beipflichten. Obschon im herrlich „retromäßigen“ 2D gedreht fliegen die Haare und Ohren nach hinten, wenn das Dolby Surround 7.1 Soundsystem aufdreht und die Reise beginnt.

    Das Setting ist gar nicht mal so unwahrscheinlich: In einer nicht allzu fernen Zukunft ernten wir im wahrsten Sinne des Wortes den Sturm, den wir gesät haben. Auf Grund der immer stärker werdenden Verschmutzung der Atmosphäre bricht die Nahrungsmittelversorgung Stück für Stück zusammen – außer dem widerstandsfähigen Mais lässt sich kaum noch etwas anbauen, um die Menschheit zu ernähren. Sandstürme fegen über das ausgelaugte Land, auf dem nur noch wenig Regen fällt und legt sich wie ein Vorbote des Vergessens auf alles, was von den guten Zeiten noch übrig ist.

    Fortschritt ist ein Fremdwort, wer überleben will, wird Farmer. Die Gesellschaft konzentriert sich auf das Wesentliche – die Produktion von Nahrungsmitteln. So auch Cooper, der Held der Geschichte, der mit seinen Kindern Murph und Tom sowie seinem Schwiegervater Donald auf einer staubigen Farm dem Unvermeidlichen trotzt.

    Murph, die übrigens als 10 jährige durch Mackenzie Foy mehr als hervorragend besetzt ist, profitiert von der Tatsache, dass Dad Cooper früher mal Ingenieur  bei der NASA war – sie liest all seine Bücher und bewahrt sich einen offenen Geist. In der Schule beschert ihr diese Haltung schon mal Schwierigkeiten, wenn sie partout nicht die Mär von der fingierten Mondlandung glauben will und stattdessen die alten Bücher ihres Vaters mitbringt, um ihren Mitschülern die wahre Geschichte zu erzählen.

    In Murphs Zimmer passieren indes merkwürdige Dinge, die weder sie, noch ihr Dad erklären können. Bücher fallen wie von Zauberhand aus ihrem Regal, bei genauer Betrachtung aber nicht zufällig, sondern durchaus mit der Absicht, eine Botschaft zu senden. Murph hält die Reihenfolge für Morsezeichen, aber Cooper erkennt, dass es ein Binärcode ist, der Koordinaten übermittelt. Klar, dass die beiden dorthin fahren, um sich das Ganze mal anzusehen…

    Und sie finden etwas, von dem sie dachten, dass es schon längst nicht mehr existieren würde: Die NASA, die im Geheimen an einer Lösung des „Weltproblems“ arbeitet. Die Nasa-Wissenschaftler, die im Verborgenen arbeiten, weil die Menschheit die mit ihrer Arbeit verbundenen Ausgaben nicht tolerieren würden (die Botschaft ist eindeutig: In der Not geht als erstes die Wissenschaft zu Gunsten von mittelalterlicher Weltanschauung verloren), sehen die Hoffnung in der Nähe des Saturns. Dort hat sich nämlich ein Wurmloch in eine weit entfernte Galaxie geöffnet. Dr. Brand Senior und Junior  (Michael Caine und Anne Hathaway) eröffnen Cooper, dass bereits zwölf Pioniere ausgezogen sind, um nach erdähnlichen Planeten zu fahnden, auf denen die Menschheit neu angesiedelt werden kann. Die Nachrichten, die seither aus der Ferne empfangen wurden, sind unvollständig, lassen aber durchaus auf eine alternative Erde schließen. Cooper, der als Ex-Pilot über die Fähigkeit verfügt, das neue Raumschiff zu fliegen, soll sich nun auf die Suche nach den Pionieren machen, begleitet von Amelia Brand, der Tochter des Professor Brand, der Zeit seines Lebens auf der Suche ist, Quantentheorie und Gravitationslehre zu vereinen. Cooper will zurückkehren, schließlich muss er seine geliebten Kinder zurücklassen, fortan treibt ihn der Wunsch, nach Hause zurück zu kommen, an. Amalia hat die „Zutaten“ für einen zweiten Plan, die bringt befruchtete Eizellen mit, aus denen eine neue Menschheit wachsen kann, falls es nicht gelingen sollte, rechtzeitig einen bewohnbaren Planeten zu finden.

    An dieser Stelle höre ich mit dem Spoilern auf und fordere einfach, seht Euch den Film an, denn es lohnt sich. Verstörend, weil nicht so „Fiction“, als das man sich bequem zurücklehnen könnte und das Ganze als reines Gedankenkonstrukt betrachten könnte. Dann aber wieder ausreichend „Fiction“, um die grandiosen Effekte genießen zu können – die vollkommene Stille im leeren Raum, das ohrenbetäubende Lärmen eines Sandsturms, rauschendes Blut im Ohr…

    Ich verneige mich vor Anne Hathaway, die in der Rolle der Amalia Brand ihr Können eindrucksvoll unter Beweis stellt – für mich sind Prada und Prinzessin endlich Geschichte. Großartig, auch für das von interstellarer Weite gestresste Auge: Matthew McConaughey, der wie ein Wein mit dem Alter an Qualität zu gewinnen scheint, auf jeden Fall ist er eine Augenweide. Die bereits erwähnte Mackenzie Foy und ihre „erwachsenen Versionen“ Jessica Chastain und Ellen Burstyn spielen mitreißend.

    Ein Film über Liebe, Gravitation und die Relativität der Zeit. Kein einfaches Popcorn-Kino, sondern trotz aller Effekte Kino zum Mitdenken, Mitgrübeln und Mitfühlen. Keine leichte Kost, wie ich nach dem Ende des 3 Stunden-Epos erfahren konnte. Da gingen ein Vater und sein ca. 13 jähriger Sohn vor mir: „Du Papa, heißt das, die Zeit vergeht nicht überall gleich?“ „Ja, sieht so aus“. „Warum?“ „Öhm tja, also da muss ich auch erst mal gucken…“

    Tipp also für alle Eltern, die mit ihren Kindern ins Kino wollen: Zieht Euch vorher mal die Grundlagen von Raum-Zeit-Mechanik rein… just in case…





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Sonntag, 7. Dezember 2014 um 10:28 in der Kategorie Allgemein. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
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