• Concerning Birds….

    Jetzt habe ich über nächtliche Sternenkonstellationen und „Umgebungsgrün“ geschrieben – dabei habe ich das „Umgebungsgeräusch” vollkommen vergessen zu erwähnen . Auch an dieser Stelle ist der Mensch, also ich jetzt gerade, scheinbar ungemein geprägt. Die bekannten Amsel, Drossel, Fink und Star dürfen pfeifen, Tauben dürfen gurren und Elstern… ja, was sie halt so machen, vorwiegend Lärm.

    In Neuseeland kommt man aber mit dieser geräuschlichen Grundausstattung nicht allzu weit. Hier gibt es die abenteuerlichsten Vogelstimmen zu hören. Zunächst dachten wir ja noch, irgendwo hätte jemand sein Handy angeschaltet, aber als dann ein zweites Handy von der anderen Seite der Lichtung antwortete wurde uns bewusst, dass da mehr als elektronische Bauteile dahinterstecken… und tauften den Verursacher dieser echt coolen Geräusche „C 64“. Bald darauf gesellte sich zu unserer ornithologischen Auswahl noch „Atari“ hinzu, diesen Vogel könnte man in einen Flipperautomat setzen, der würde die Sounds hervorragend alleine machen…

    Soviel zu unseren gefiederten Freunden, mal davon ab, dass hier unglaublich viele Enten unterwegs sind (don’t feed the ducks! steht hier an jeder Ecke, mach ich aber trotzdem, ich mag Enten…).

    Ursprünglich hatten wir geplant, heute in Richtung Mount Egmont zu starten, eine sehr lange Strecke, zugegeben. Dann trafen wir gestern an der Rezeption des Holiday Parks einen netten Herren, der uns erklärte, dass man die lange Strecke nicht unbedingt auf sich nehmen muss, weil man tolle Vulkane auch im Tongariro Nationalpark sehen kann. Ach ja, stimmt, dahin sind Maren und Michael ja unterwegs, biken, hiken und weiß der Schrat noch alles…

    Wir überlegten kurz und irgendwie haben wir in den letzten Tagen so dergestalt den Overkill gehabt, dass uns die Vorstellung, es etwas langsamer angehen zu lassen, durchaus gefiel. Schön ist es, wenn man mit seinem Camper unterwegs ist, den stört es nicht, wenn die Route mal kurz umgeworfen wird… also fuhren wir heute zur Bay of Plenty.

    Selbige versteht sich selbst als Fruchtkorb Neuseelands und soweit wir das sagen können, durchaus zu Recht. Das Angebot der „360° Kiwi“ haben wir allerdings abgelehnt, Führung und guided Tour durch die Plantage brauchten wir nicht, guided hatten wir gestern, danke…

    Stattdessen fuhren wir nach Mateka, ein Maori-Dorf mit großer Geschichte. Gelegen am Pazifik an einer Landzunge, die ein gutes Stück ins Meer hineinragt, landeten dort der Überlieferung nach die zweiten Siedler der Maori. Hier habe ich heute auch die erste Frau mit einem Gesichtstattoo gesehen und kam ins Schwärmen, weil es sehr schön aussah. Ihr hättet den Blick meines Mannes sehen sollen, darin war durchaus eine gewisse Sorge zu lesen ;-)

    Ein Gesichtstattoo ist natürlich nur dann möglich, wenn ich plötzlich Maori werden sollte, was ja schon genetisch nicht so ohne weiteres möglich ist. Nein, das geht wohl nicht, aber ich möchte durchaus ein Tattoo und aus diesem Grund haben wir uns heute auch aufgemacht, um in Rotorua schon mal nach einem geeigneten Tätowierer zu suchen. Fionna hat mich natürlich im Vorfeld schon darauf hingewiesen, dass es vollkommen und absolut politisch unkorrekt ist, sich ein Maori-Tattoo machen zu lassen, es sei denn, es gebe da Designs, die „kulturell unkritisch“ seien. Nun habe ich mittlerweile erfahren (zunächst von einem Reisenden, den wir bei den beiden Kiwi-camper-Damen getroffen haben und dann heute von einer Maorifrau selbst), dass ein Tätowierer der Maori ohnehin nicht einfach einen Katalog da liegen hat, aus dem man sich ein Motiv aussuchen kann. Nein, der „echte“ Maoritätowierer unterhält sich mit dir, will deine Geschichte erfahren, wer deine Familie ist, wo du herkommst, was du in deinem Leben schon erfahren und erlebt hast. Während er mit dir spricht, zeichnet er ein Tattoo, in dem das, was du von dir erzählst, in Maori-Symbolen dargestellt ist. Daraus entsteht dann zum Schluss dein persönliches, ganz individuelles Tattoo, das zwar die Symbolik der Maori nutzt, aber eben auf dich zugeschnitten ist. Die nette Maoridame an der Information gab mir dann auch Adressen, wo wir morgen einmal vorbeischauen wollen – vielleicht wird es ja was mit meinem neuen Tattoo, es bleibt spannend! (Und jetzt sagt bitte niemand, das wäre Nepp, denn wenn es da nur ums Geldverdienen ginge, wäre es deutlich einfacher, einen Katalog mit Motiven auszulegen und die Leute einfach aussuchen zu lassen…

    Gerade sitzen wir am Blue Lake, einem kleinen See in der vulkanisch aktiven Zone rund um Rotorua. Wir fühlen uns also fast wie zu Hause ;-)

    By the way.. „fun-fact“, würde Fionna sagen: Bei unseren hilflosen Versuchen, dieses großartige Land zu erfassen, ertappen wir uns immer wieder mal dabei, Vergleiche anzustellen. Und so kommt es dann während der Fahrt zu Dialogen wie diesem: „Oh guck mal Schatz, dass hier sieht jetzt so aus wie im Allgäu!“ „Ja, irgendwie schon, nur mit Palmen und Riesenfarnen…“ „Oh Schatz, schau mal, das erinnert mich jetzt irgendwie an die Toskana…“ „Ja schon, nur mit Palmen und Riesenfarnen…“ „Oh schau, die Schweiz….. ja ich weiß, mit Palmen und Riesenfarnen…“

    Heute Abend werde ich übrigens köstliches neuseeländisches Lamm zubereiten, es wird begleitet von der hier sehr beliebten „Kumara“, einer Süßkartoffel, und einer Art Kürbis-Zucchini, ich glaube sie hieß Homu Homu oder so… wish me luck…

    In diesem Sinne….

    Eure Jutta





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Sonntag, 9. November 2014 um 05:28 in der Kategorie Allgemein. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
  • 0 Kommentare

  • Kommentieren

    Lassen Sie mich wissen was Sie denken.

  • Name(required):

    Email(required):

    Website:

    Text: