• Concerning Hobbits…

    “In a hole in the ground, there lived an Hobbit…”

    So beginnt eines der Bücher, die ich zu den großartigsten Büchern zählen möchte, die je geschrieben wurden: Der Hobbit. Für alle diejenigen, die Tolkien noch  nicht gelesen haben, der Hobbit ist der Vorgänger des „Herrn der Ringe“, jener epischen Trilogie, die von J.R.R. Tolkien, einem Literaturprofessor aus Oxford geschrieben und von Peter Jackson aus Neuseeland verfilmt worden ist.

    Ich erinnere mich noch genau daran, wie allarmiert ich war, als ich las, dass der Herr der Ringe verfilmt werden sollte. In den 70er Jahren hatte Ralf Bakshi schon einen Versuch unternommen, mit Zeichentrick, weil zum damaligen Zeitpunkt an eine reale Verfilmung niemals zu denken gewesen wäre. Bakshi legte einen Teil vor, der mäßig umgesetzt war und dem Stoff überhaupt nicht gerecht wurde, aber die Fanbase war angetan, endlich etwas aus dem geliebten Mittelerde auf der Leinwand sehen zu können.

    Aber als Peter Jackson nun mitteilte, dass er den Herrn der Ringe real verfilmen würde, da stand ich quasi schon mal präventiv auf den Barrikaden, denn ich verstand mich selbstredend als Hüter dieses wunderbaren Werkes. Was mich dann im Kino ereilte, ist Geschichte. Ich liebe diese Filme und ich liebe Peter Jackson dafür, dass er den Herrn der Ringe mit so unendlich viel Liebe und Sorgfalt umgesetzt hat.

    Was mit dem Hobbit passiert ist, steht auf einem anderen Blatt, aber daran sind wir allesamt mit Schuld. Und ich jetzt ganz besonders.

    Eine Reise nach Neuseeland zu machen, ohne Matamata (die Kiwis sprechen das übrigens: Mädemäde aus, und zwar sehr, sehr schnell ;-) ) besucht zu haben, wäre für mich nicht in Frage gekommen, kein Punkt auf dieser Reise war so fix wie ein Besuch am Set. Maren und Michael sind ja zum Biken in die Berge gefahren, also haben Peter und ich uns auf die Spuren des Herrn Beutlin gemacht.

    Natürlich. Ja sicher. Touristen-Nepp, höre ich da schon die ersten schreien, aber schreit ihr nur, ich war da, ich habe vor Bilbos Haus gestanden, unter der Eiche, die gar keine Eiche ist, weil Peter Jackson doch tatsächlich einem Kieferngeäst 200.000!!!!!! Blätter hat ankleben lassen. Einzeln, versteht sich. Und wir fragen uns, warum so ein Film Millionen kostet…. Jetzt wissen wir es.

    Das Gelände, auf dem der Set entstanden ist, gehört der Familie Alexander. Papa Alexander war sich zu Beginn wohl nicht so ganz darüber im Klaren, was sich auf seiner Farm abspielt, spätestens als die Neuseeländische Armee anrückte, müsste ihm jedoch geschwant haben, dass es da um eine etwas größere Sache geht. Nach dem Ende der ersten Dreharbeiten baute das Team von Jackson die Kulisse ja wieder ab und zog seiner Wege. „Pip“, die Tourguide erzählte uns, dass Nachbarn im Film das Land der Alexanders wiedererkannt hätten und fragten, ob sie sich die Reste des Sets mal angucken könnten. Ehrlich? Wir halten das für eine Legende, der gute Alexander hat sicher schnell begriffen, auf welcher Goldmine er sitzt und hat bereits vor Beginn der Dreharbeiten zum Hobbit mit den Resten des Sets vom Herrn der Ringe lustige Touren gemacht – damals wohl noch im Van mit vier Gästen auf einmal und so.

    Was jedoch ziemlich glaubhaft klingt ist, dass besagter Papa Alexander seine Chance kommen sah, als der Herr Jackson wieder bei ihm anklopfte und fragte, ob er noch mal eben den Set nutzen könnte. „Ja, könnt ihr“, sprach das weise Familienoberhaupt von drei Kindern, „aber dieses Mal baut ihr permanent!“

    Gesagt, getan, das Einkommen der Familie bis in die x-te Generation gesichert. Weit im Inneren der, sagen wir mal, recht umfangreichen Ländereien der Alexanders, geschützt von Zäunen und Schleusen (die natürlich alle nur wegen der Schafe da sind, die überall friedlich grasen… oder wegen der Rinder, die sind auch noch da, wegen denen gibt es auch noch elektrische Zäune… jaja…) befindet sich nun dieses Kleinod filmischen Schaffens. Wer es sich ansehen will, der muss einen der Busse besteigen, die von Hobbittours bereitstehen. In einem sicherlich für beide Seiten einträglichen Joint-Venture ist ein Ort entstanden, der einerseits natürlich touristisch ausgelegt ist, aber trotzdem noch den Charme seiner ursprünglichen Nutzung hat.

    Sechs Gärtner hegen und pflegen das Gelände, hier sieht nichts so aus oder fühlt sich so an wie eine Phantasialand-Kulisse, hier ist alles echt, die Rahmen der Haustüren aus echtem Holz, liebevoll auf jedes Detail geachtet, überall wird gewienert und gewässert, angepflanzt und beschnipselt. Im „Green Dragon“ haben wir ein Ingwer-Bier getrunken und die Tatsache, dass es dort nichts!!! außer ein paar Keksen und Pies (das teuerste kostete  NZD, ungefäht sechs Euro) zu kaufen gab, zeigt die Art, wie hier mit dem Schatz umgegangen wird.

    Am Ausgangspunkt der Tour befindet sich ein Laden der so klein ist, dass die Bücherei in Maria Laach dagegen aussieht wie eine Messehalle, natürlich gibt es hier die unvermeidlichen T-Shirts, Bücher, Filme und Figuren und die auch rasend überteuert, aber so what, niemand zwingt einen, etwas zu kaufen. Wir haben es dann auch bei drei Postkarten und einem Kühlschrankmagneten belassen, darum ging es uns doch auch gar nicht.

    Wir beide standen irgendwann etwas gedankenverloren in der Gruppe (oh ja, strenge Regeln, da ist nix mit selbst rumstreunen, ich denke, da tun sie gut dran, die amerikanischen und japanischen Touristen, die wir dabei hatten, waren schon MIT Führung kaum in der Lage, auf dem vorgegebenen Weg zu bleiben!) und uns war irgendwie ganz merkwürdig zu Mute. Irgendwie surreal. Ich meine, klar, wir kennen das Phantasialand und haben auch sonst schon ne Menge Themenparks und so gesehen, aber das hier ist eben KEIN Themenpark, das hier ist echt. Mitten in dieser irre grünen neuseeländischen Natur, wo es ständig so aussieht, wie man sich den Garten Eden vorstellt. Irre.

    Memo an mich selbst: Superlative sparsamer verwenden. Wir haben noch eine Woche vor uns.

    In diesem Sinne… Haere mai!





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Samstag, 8. November 2014 um 19:45 in der Kategorie Allgemein. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
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