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    Veröffentlicht am Samstag, 8. November 2014

    von Jutta Schützdeller

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    Unbeschreiblich…

    „Show, don’t tell“, sagt Fionna immer und ich weiß, dass sie damit meint, ich solle beim Schreiben meiner Bücher darauf achten, die Dinge nicht beim Namen zu nennen, sondern sie so zu beschreiben, dass der Leser selber darauf kommt, worum es sich handelt. Jetzt sitze ich hier, das Licht der Morgensonne kitzelt, heute ist es zum ersten Mal frühmorgens schon so warm, dass die Tür des Campers aufsteht und ich den Duft genießen kann, der von draußen hereinweht.

    In den letzten Tagen haben wir den Norden von Auckland bereist und mussten schnell feststellen, dass die Zeit nicht ausreicht, um unseren Plan, bis zu Cap Reinga vorzustoßen, in die Tat umzusetzen. Zum einen liegt es daran, dass es nur sehr langsam voran geht (Methusalema schleppt sich nach wie vor schreiend mit 45 Kilometer die Stunde die Hügel hinauf) und es gibt außerdem so unglaublich viel zu sehen, dass es überhaupt und restlos und ganz und gar unmöglich ist, all das zu machen, was wir uns vorgenommen hatten…

    Aber warum auch?

    Nein, laid back sind wir (noch) nicht, aber uns überfällt angesichts dieses Landes ein gewisser Fatalismus und die Erkenntnis, dass dies hier definitiv nur so eine Art „Teaser“ sein kann, eine Pionierfahrt, ein „mal kurz reinschauen für später“.

    Neuseeland ist überwältigend.

    Nicht, dass wir das im Vorfeld nicht schon gehört hätten. Jeder, mit dem wir gesprochen haben, sagte so etwas in der Art und wir interpretierten daraus, dass es „schon irgendwie echt cool“ sein muss. Was einem aber dann hier begegnet, haut einen um.  Das liegt vor allem daran, dass die Natur in Neuseeland so allgegenwärtig, so dominant ist, dass man überhaupt nicht umhin kann, als von ihr beeindruckt zu sein. Dieses Land ist grün, so unglaublich, augenschmerzend grün, dass man ständig irgendwelche Pflanzen anfassen will um zu prüfen, ob so etwas überhaupt echt sein kann. Ausnahmslos jedes Mal muss man feststellen, dass es echter kaum geht. Das Licht auf dieser Insel ist unglaublich – nicht, dass wir es zu Hause nicht „hell“ hätten, aber hier liegt bei weitem nicht so viel Dreck in der Luft wie über Europa und haltet mich für verrückt, aber das merkt man, und wie. Schon mal ne total dreckige Brille gehabt? Ich meine, nicht so dreckig, dass man sie putzen würde, also noch in dem Stadiu, wo man bereit ist, sich mit der reduzierten Sicht zu arrangieren, weil man zu faul ist, jetzt das große Reinigungsprogramm durchzuziehen. Und man weiß, man müsste es durchziehen, damit es wirklich einen Unterschied macht. Und dann kommt der Moment, in dem man nicht mehr umhin kann und mit alkoholgetränktem Tüchlein die Grundreinigung macht. Das Gefühl, wenn man zum ersten Mal anschließend durchguckt – so ungefähr fühlt es sich an, wenn man in Neuseeland die Augen aufmacht.

    Unsere zweite Nacht an der Bay of Islands verbrachten wir auf einem Campingplatz an einem Fluss, der sinnigerweise seine Stromschnellen direkt vor dem Camp-Ground positioniert hatte, sehr aufmerksam und ausgesprochen schön zum Einschlafen – allerdings nicht unbedingt zum Durchschlafen, weil das ständige Geplätscher zwar hochgradig romantisch, aber eben auch harntreibend ist. Was solls, Opfer müssen gebracht werden, denn den Abend am Lagerfeuer mit alle Mann und die hungrige Entenschar am Morgen nimmt uns niemand mehr… und eigentlich hätten wir es uns hier schon bequem machen und bis zum Ende aushalten können… aber!

    Unser atemloses Staunen hielt den ganzen Trip nördlich von Auckland über an – die Bay of Islands auf der pazifischen Seite, dann ging es rüber zur Tasman Sea, also zum tasmanischen Meer. Die erinnert mehr an den Atlantik, sie ist rauer, aber glasklar und temperamentvoll. Zum ersten Mal gesehen haben wir die Tasman Sea in Opononi und Omapere. Die beiden Orte liegen im Eingang zu einer Bucht, an deren gegenüberliegender Seite eine Sanddüne ist, die eine ganze Landzunge einnimmt. An ihrem Fuß brechen sich die Wellen und man ist schier erschlagen von diesem Anblick.

    By the way. Also die Ortsnamen in Neuseeland sind ja den Maoris geschuldet und allesamt sehr wohlklingend, allerdings machen sie uns durchaus hin und wieder Probleme… Kaihoke, Kaihu, Whangarei, Ahipara, Wapapakauri, Maungatapere… also da soll sich noch jemand zurecht finden ;-)

    Wie gesagt, haut einen die Natur von Neuseeland vollkommen aus den Socken. Jede Ecke, um die man fährt, öffent ein neues Panorama, das noch schöner, noch beeindruckender ist als das vorherige, auch wenn man das nicht für möglich hält. Aber selbst bei diesen Superlativen gibt es noch Dinge, die herausragen. Tane Mahuta ist so etwas. Tane Mahuta ist ein Kaori-Baum, ca 2000 Jahre alt und so unglaublich groß, majestätisch und… !ach!… dass man einfach nur stumm davor stehen bleibt… ich bin so glücklich, dass ich den “Vater des Waldes” sehen durfte…

    Freitag haben wir uns dann schon wieder in Richtung Auckland aufgemacht, weil wir doch einen Termin mit dem „Mechanic“ hatten, der die röchelnde Methusalema mal unter die Lupe nehmen sollte. Übernachten wollten wir in „Shelleys Beach“, da wurde ein Campingplatz angezeigt. Der Kiwi an sich ist eher robuster Natur und wenn irgendwo ein Stück Tarmac ist, auf den man seinen Camper abstellen kann, dann reicht das lässig, um das Ding Camping-Ground zu nennen. Stehen dann da auch noch ein paar Pöller mit Steckdosen und ist dort ein Häuschen mit einer Dusche… ja, was soll das, das ist doch wohl vollkommen ausreichend? An so einem „Hotspot“ landeten wir dann auch, quasi ein Geheimtipp, außer uns nur noch Kiwis, ziemlich genau fünf glaube ich, sehr lauschig. Wir versuchten zu Grillen, mit mäßigem Erfolg, der dort aufgestellte Gasgrill kapitulierte vor den Mengen an Fleisch, das wir beim Butcher erstanden hatten – übrigens auch ein Kiwi-Original, leider waren wir nicht geistesgegenwärtig genug, den antik anmutenden Laden dieses Metzgers zu fotografieren.

    Und dann rollten wir auf den Hof von Kiwi-Campers und die beiden Damen waren alles, aber not amused, uns schon zu sehen. Wir hatten uns ja nun angekündigt und Mohammed, der „Mechanic“ war denn auch nach kurzer Zeit da. Peter und ich hatten noch auf dem Weg kurz die Liste der Mängel vervollständigt, damit wir nichts vergessen, aber das war, im Nachhinein betrachtet, gar nicht nötig. Als er den ersten Mangel „der Motor macht wirklich sehr merkwürdige Geräusche“ ansprach, öffnete Mohammed die Motorhaube und fischte nach kurzer Zeit ein Zahnrad heraus, das sich wohl irgendwie von seinem Platz gelöst und sich in den Restmotor verirrt hatte. Da es dort nicht hingehört und in einem Motor nicht unbedingt Platz für unangemeldete Mitreisende ist, hatte das Zahnrad irgendeinen Riemen beschädigt. Die Miene von Mohammed verdüsterte sich und er zog sich zu einer kurzen Krisensitzung mit den beiden Damen, die ihrerseits vollkommen im Stress waren, weil ja heute Leute anreisten und so, waren. Fazit dieser Sitzung: Wir bekamen einen neuen Camper!

    Halleluja! Oh, und da wir ja schon mal upgegraded waren, haben wir selbstredend wieder einen größeren Camper erhalten – und was soll ich sagen, das Ding ist großartig! Gut, die Umräumerei hat uns schlappe zwei Stunden gekostet, aber ich sage Euch, da ist ein Platz in der Hütte, es ist ein Traum!

    Maren und Michael sind aufgebrochen, um sich im Tongariru National Park mal so richtig auszupowern, wir haben uns für Dienstag verabredet, dann treffen wir uns am Lake Taupo wieder. Bis dahin werden wir mal bei den Hobbitzen vorbeischauen und gucken, was es sonst noch spannendes gibt.

    Bis dahin….

    Eure Jutta





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Samstag, 8. November 2014 um 08:22 in der Kategorie Allgemein. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
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