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    Veröffentlicht am Mittwoch, 5. November 2014

    von Jutta Schützdeller

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    … Concerning bushes….

    Wenn ich auf der Südhalbkugel der Welt bin (und das passiert beileibe nicht oft, aber es kommt vor), dann fallen mir innerhalb kürzester Zeit zwei Dinge auf, und die haben auf merkwürdige Art und Weise mit mir und meinem Weltbild zu tun.

    1. Der Nachthimmel. Es ist mir überhaupt nicht bewusst, wie sehr ich den nächtlichen Himmel zu meinem „Umgebungs-Geräusch“ zähle. Damit meine ich die Dinge, die ich als vollkommen selbstverständlich betrachte, ohne mir ernsthaft bewusst zu sein, dass sie dazu gehören. Dazu gehört zweifelsohne der Nachhimmel. Sicher, jeder von uns kennt den großen Bären, wahlweise auch großer Wagen genannt, aber dann hört es doch eigentlich schon auf, oder? Vorausgesetzt man ist nicht Hobbyastronom, dann weiß man mehr, aber ansonsten? Doch. Ich kann Euch von mir sagen, dass in dem Moment, wenn sich die Konstellationen der sichtbaren Sterne am Himmel verändert, ein merkwürdig fremdes Gefühl in mir aufkommt. Ich schaue nach oben, weiß nicht, was ich davon halten soll, weiß, dass da etwas nicht stimmt, aber kann natürlich nicht genau erklären, was denn nun. Ich kenne den Himmel einfach nicht mehr wieder, so verrückt das auch klingen mag.
    2. Seit gestern weiß ich, dass es noch einen zweiten Faktor gibt, der eine ähnliche Bedeutung hat, und das ist das „Umgebungsgebüsch“. Ich meine damit nicht Gras, das wächst überall, nein, ich meine die Bäume und Büsche, die „Allerweltsbegrünung“, die entsteht, wenn man die Natur sich selber überlässt. In unseren Breitengraden sind das Hagebutten, Holunder, Schlehe, Weide, Pappel, Buche, Eiche, Birke, halt das ganze Zeugs, das einem begegnet, wenn man vor die Türe geht, am besten in der Absicht, ein wenig zu wandern. Hier streckt man die Nase aus der Hütte und reibt sich verwundert die Augen. Überall stehen baumhohe Farne herum, an den Bäumen hängen rote flaschenputzerartige Blüten, dann sind da Blüten, die so aussehen, als sei ein Kiefernzapfen in Flammen geraten. Auf der Wiese, wild, dort wo bei uns allenthalben mal Märzenbecher ungefragt wachsen, breitet sich hier ein Teppich aus Calla aus… ja, das sind die Blumen, die wir einzeln und voller Liebe und Zuneigung in unsere Beete setzen, hätscheln und tätscheln, damit sie zum Himmelswillen den Winter überstehen… und hier sieht es aus, als könne man sie getrost als Unkraut bezeichnen… Hatte ich die Feuerblumen erwähnt? Sehen aus wie Kerzen, irgendwie, ich glaube, Freund Helge hat solche im Garten und liebt sie innig, ich darf Dir mitteilen, hier stehen sie an jeder Straßenecke. Sicher, aus den südlichen Gegenden Europas kennen wir Palmen – da reden wir nicht drüber, die Dinger haben es auch bis hierhergeschafft, was ich meine, ist all das andere Zeugs, was die Hintergrundbegrünung ausmacht und hier so fremd ist, als hätte man dich über Jurassic Park einfach abgeworfen. Schon schräg.

    Heute haben wir unsere Methusalema bis an seine Leistungsgrenze gebracht. Ächzend schob sich die geplagte die kurvenreichen Strecken an der Ostküste entlang in Richtung Bay of Islands. Während Maren und Michael „nur“ eine der „old roads“ nahmen, bekamen wir den Hals mal wieder nicht voll und stürzten uns auf die „D-Straßen“. Das ist bei uns Synonym für kleine und kleinste Sträßchen. Röchelnd und quietschend knatterten wir durch Täler, in denen die Straße von meterhohen Farnen überwuchert war, dann wieder öffneten sich spontan Buchten und Küstenabschnitte, an denen wir alleine waren – nur wir, der Asphalt und das Meer. Da kann man schon mal romantisch werden.

    Eines ist uns mittlerweile klar geworden: Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit beträgt hier etwa 45 Stundenkilometer. Mehr ist einfach nicht drin, angesichts des Alters der Dame, die unter der Motorhaube wohnt UND der Straßen, auf die wir sie zwingen. Das „entschleunigt“ uns erheblich. In der Bay of Islands angekommen hatten Maren und Michael schon Quartier gemacht, wir tuckerten gegen Abend auf den Platz. Im „Only Seafood“ haben wir den Abend bei Jakobsmuscheln und Red Snapper ausklingen lassen und uns anschließend den ersten richtig guten Nachtschlaf am anderen Ende der Welt gegönnt.

    Neuseeland ist nichts für Warmduscher. Gerade noch in der Sonne gefrühstückt bei gefühlten 17 Grad, regnet es jetzt schon wieder und die Temperatur nähert sich bedrohlich dem Gefrierpunkt – oder doch nicht? Ach nein, jetzt scheint die Sonne wieder, die Temperaturen steigen wieder… so ist das Wetter, falls jemand wissen wollte, wie das so ist… und so ist es die ganze Zeit bislang. Zwiebellook. Unbedingt. Schichtkleidung.

    Nach einem Telefonat mit der Vermieterin der Camper haben wir für Samstag einen Termin in der Werkstatt – man glaubt, dass die technischen Probleme, die wir haben (und dazu gehört ein bis auf das Textil abgefahrener Reifen), kurzfristig zu lösen seien. Das entschleunigt uns noch einmal  erheblich und wir haben beschlossen, einen Tag hier zu bleiben und uns der neuseeländischen Seesportindustrie hinzugeben… wir denken da so an Kanu, Kajak und oder Rafting…

    In diesem Sinne

    Eure Jutta Schützdeller





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Mittwoch, 5. November 2014 um 21:50 in der Kategorie Allgemein. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
  • 1 Kommentar

    1. Donnerstag, 6. November 2014

      Dank GoogleEarth war ich auch gerade dort am Restaurant “only seafood”.

      Aber wart schon weg, …schade!

      :-) Jürgen

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