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    Veröffentlicht am Mittwoch, 5. November 2014

    von Jutta Schützdeller

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    Vier Uhr morgens am anderen Ende der Welt…

    … oder,,,Jetlag ist was für Weicheier, wir stehen einfach nur früh auf…

    Vier Uhr früh ist verdammt noch mal mitten in der Nacht, aber ich werte es dennoch als Erfolg, die Zeitverschiebung beträgt 12 Stunden, da sind lächerliche zwei Stunden früher aufstehen etwas, das ich nur (jetzt noch nicht, das ist es ja) müde belächle.

    Aber der Reihe nach. Das sprichwörtlich andere Ende der Welt zu erreichen ist ein ziemlicher Aufwand. Auch wenn an der einen oder anderen Stelle behauptet wird, die Welt sei ein Dorf, ich kann nun aus eigener Erfahrung sagen, dass dieses Dorf mächtig groß ist, wenn man ans andere Ende gelangen will,

    Mit unserem  beängstigend umfangreichen Gepäck stolperten wir ins Abfluggebäude, checkten ein und irgendwie reichte es gefühlt gerade noch mal für den Kauf eines Buches und einer Flasche Wasser, dann war auch schon Boarding-Zeit und wir bezogen unsere Plätze im Jumbo der Lufthansa. Der Pilot entpuppte sich als Treckie, denn er begrüßte uns in seinem „Raumschiff der Galaxy-Klasse“. Ob es nun am Wirkungseintritt der Tabletten lag, oder am tröstlichen Gedanken, dass Menschen, die Star-Treck mögen, sicher Freude am Leben haben und alles versuchen werden, NICHT abzustürzen, mir ging es besser als erwartet. Vom Flug zu berichten, wäre müßig, ein zwölf Stunden Flug fühlt sich nicht anders an, als ein acht Stunden Flug – mal davon ab, dass man bei vier Stunden mehr natürlich mehr Zeit für „Schlaglöcher“ hat. Nun, so viele waren es nicht, aber da ich sie alle einzeln und persönlich mit einem sprunghaften Anstieg meines Puls beantworte, erinnere ich mich natürlich an jedes einzelne von ihnen.

    Als wir in Honkong zwischenlandeten, war uns unser Zeitgefühl schon in Teilen abhanden gekommen . gerade noch hatten wir im Fliegen ein zugegebenermaßen etwas merkwürdig anmutendes Frühstück zu uns genommen, da landeten wir um vier Uhr nachmittags Ortszeit in China. Eine winzige Flughafenangestellte erwartete uns mit einem Schild, auf dem NZ 080 stand, oha, jaaaa, der Herr im frankfurter Flughafen hatte bereits gesagt, dass die Umsteigezeit in Hongkong „sportlich“ werden würde. Wir waren dankbar für die Führung der kleinen Dame, die neben uns noch einer ganzen Reihe anderer Menschen den Weg zum Anschlussflug wies – womit sie es uns nicht einfacher machte, verschwand sie doch augenblicklich im Schatten einer Reisetasche…. Also sie war wirklich sehr klein. Um sie nicht zu verlieren, hasteten wir der Truppe hinterher durch den schier endlos groß erscheinenden Flughafen Hongkong, gesehen habe ich außer kilometerlangen Fluren mit waagerechten Rolltreppen so gut wie gar nichts. Wichtig war, wir erreichten unseren Anschlussflieger, allerdings gab uns die kleine Dame noch ein bisschen Spannung mit auf den Weg, als sie meinte, dass wir zwar den Flug erreicht hätten, man das von unseren Gepäck allerdings nicht mit Sicherheit sagen könne – die Zeit sei doch sehr kurz bemessen. Super, dann hat man ja was zum drüber nachdenken, so lange man 12 Stunden in der nächsten Maschine zum Nixtun verdammt ist.

    Hatte ich angesichts des guten Verlaufes des ersten Fluges  noch darüber nachgedacht, ob meine Anschlusstablette überhaupt von Nöten wäre, bin ich mir selber dankbar, dass ich sie genommen habe. Es gibt sicher viele Wege, die ins Land der großen weißen Wolke führen und darin sind viele Löcher – ich kann jetzt sagen, dass ich jedes einzelne davon kenne. Einzig das wirklich bemerkenswert coole Sicherheitsvideo, das mittlerweile Kultstatus hat, entschädigt für dieses Geholpere… wenn auch nur wenig, denn ich kann mir das Safety- Video auch prima auf Youtube ansehen, ohne mich schlaflos über Australien durch die Luft schütteln zu lassen.

    Schaflos  vergeht die Zeit nur schleppend, aber sie vergeht. Und dann lag es irgendwann unter uns – das Land der großen weißen Wolke. Ich gebe zu, so eine Anreise ist ziemlich anstrengend, aber es ist nicht annähernd so schlimm, wie ich dachte, wir fühlten uns alle einigermaßen fit.

    Die Einreisebestimmungen nach Neuseeland sind streng – wie gut, dass ich noch ordentlich meine Schuhe geputzt hatte, ich durfte sie nämlich vorzeigen J

    In der Ankunftshalle wartete unser Camper-Vermieter NICHT… also riefen wir kurzerhand an und erfuhren, dass die Abholung bereits unterwegs sei. War sie auch, sie stand in Form einer indischstämmigen Lady mit großem Auto vor dem Flughafengebäude und staunte ebenfalls nicht schlecht über unser Gepäck (ich weiß nicht, aber haben die hier alle nichts zum Anziehen, oder warum ist das so ein Aufriss?)

    Am Basislager von Kiwi-Camper angelangt stellte sich schnell heraus, dass es durchaus professionellere Unternehmen gibt. Die beiden Damen, die sich mit stoischer Ruhe daran machten, die drei neuen Gäste (von denen vermutlich 100% nicht unerwartet kamen) auf ihre Camper zu verteilen, waren nicht mehr ganz neu – genausowenig wie die Camper, die sie in ihrer Obhut haben. Uns würde freudestrahlend mitgeteilt, dass „who ist Jutta?“ ein Upgrade „gewonnen“ hätte, da das für sie ursprünglich vorgesehene Mobil „you know, there was someone who wasn’t that able to drive“… ah ja… Und nun?

    „Und nun“ stand eine Stunde später auf dem Hof, eine Veteranin der Mietmobile, wenn nicht sogaer die „Mutter aller Mietmobile“. Was sie auf ihrem mit Polyesterbezügen versorgten Interieur schon alles miterlebt hat, dafür reicht wahrscheinlich ein Menschenleben nicht, um es zu erzählen. Ihr dieselbetriebener Atem röchelt sich durch die Landschaft – und wird zum schmerzgepeinigten Schreien, wenn es bergauf geht. Die Ausstattung hat bessere Tage gesehen – kein Scharnier, das noch tut, was es soll, keine vier Geschirr- oder Besteckteile, die zusammenpassen – aber immerhin hat die Lady einen Alkhoven (obwohl wir eigentlich explizit keinen haben wollten). Macht nix, Maren und Michael haben es auch hervorragend getroffen, die jüngere Tochter der Mother of Camper-Vans begleitet ihre betagte Mutter (vorsichtshalber, schätzen wir) und bietet dabei in der Tradition ihrer Familie: Wenig Stauraum, schlechte Ausstattung und schlecht funktionierende Aggregate. It runs in the family, sozusagen.

    Egal, wir waren in einem dergestalt phasenverschobenen Zustand, in dem ich jedem dringend davon abraten würde, irgendwelche Geschäfte zu tätigen. Wir nahmen die Dinger mit, schmissen unsere Überseecontainer voll Reisegepäck hinein und machten uns erst einmal auf den Weg in den nächsten Supermarkt.

    Dabei muss man gleich eines sagen: Wer denkt, Auckland wäre so ein verschlafenes Nest, in dem sich Kiwi und Würfelqualle gute Nacht sagen – Auckland ist eine Millionenstadt! Aber dazu später…

    Erst einmal zurück zu meiner Warnung, im phasenverschobenen Zustand keine Geschäfte zu tätigen… wir haben mal kurz den Supermarkt leergekauft. Flugzeugessen und kaum Schlaf (ich schätze, wir alle zusammen kamen am Ende auf die Schlafleistung von 8 Stunden, das macht 2 für jeden, ja, das klingt fair…) dröhnte unser Bauch und meldete, wenn man ihm schon so etwas zumuten würde, dann solle man ihn gefälligst füttern, und zwar mit alles, was das Haus so zu bieten hat. Taten wir. Bei der Gelegenheit konnten wir gleich austesten, wie die örtliche Versorgung mit frischem Fleisch ist.

    Neuseeland ist teuer. Wir merkten es sofort, angefangen von Milch bis hin zu „Luxus“ (wobei unser Magen uns gerade signalisierte, dass dies kein Luxus, sondern das mindeste sei, was wir tun könnten, um ihn milde zu stimmen) Rumpsteak ist alles gut und gerne um 20-25% teurer als in Deutschland – was angesichts der Strecken, die einige Lebensmittel hinter sich haben, kein Wunder ist. Die örtliche Nahrungsmittelbranche hat sich den Einfuhrpreisen angepasst, was ich gut heiße (mein Portemonnaie allerdings nicht) und so sind neuseeländische Produkte gleichermaßen teuer.

    Beladen mit unserem Gepäck und der ersten Beute des Urlaubes machten wir uns nun auf den Weg nach Norden, hinein in den subtropischen Zipfel der Nordinsel. Maren hatte das Reisefieber gepackt, ihr erschienen die 90 angepeilten Kilometer als zu wenig, aber ich denke, nachdem wir dann endlich (nach gefühlt einer Stunde) Auckland und seine Outskirts verlassen hatten und die Mutter aller Camper-Mobile – der wir heute der Einfachheit halber vermutlich einen Namen geben werden – röchelnd durch die Landschaft zuckelte, war sie versöhnt.

    Neuseeland ist fremd. Ich meine, man schaut aus dem Fenster und sieht Pflanzen, die man nicht kennt, wo bei uns zu Hause Hügel bewachsen mit Weiden, Hagebutten, Holunder und anderen „Büschen“ halt stehen, sieht man hier die Baumfarne, die jedem Hügel, jedem Tal etwas von „Jurrasic Park“ verleihen… Ansonsten ist dieses Land ungeheuer grün, nur durchbrochen vom Lavagrau kleiner Mäuerchen, die zum Schutz vor Erosion überall errichtet sind. Damit erinnern sie an England, und das sicher nicht von ungefähr, denn schließlich kommen die Verursacher dieser Mäuerchen ursprünglich von dort.

    Unseren Campingplatz hatten wir schnell gefunden und uns keine fünf Meter vom Meer entfernt an die örtliche Stromversorgung angeklinkt, endlich ausgepackt, geduscht und dann die Früchte unserer Jagd genossen. Fleisch ist hier offenbar hervorragend, das Lamm und das Rind des heutigen Testessens konnten die Jury überzeugen (auch wenn deren Performance zu diesem Zeitpunkt schon fragwürdig war, weil zum Schlafentzug auch noch ein Glas Wein gekommen war… oder waren es Zwei?).

    Danach gab es kein langes Gehampel mehr, um neun Uhr Ortszeit erklärten wir den Tag für beendet und warfen uns in die Kojen.

    Ach ja, Wetter, nech? Geht so. Im Vorfeld hat uns unsere liebe Freundin Birgit gesagt, dass es in Neuseeland an einem Tag „alle Wetter“ gebe – können wir bestätigen. Das zeigte sich unter anderem daran, dass wir im Prinzip schon die Außenanlagen errichtet hatten (also Stühle und Tische und so), dann aber fluchtartig ins Innere ausweichen mussten, weil ein tropischer Regen (sag mal, hagelt das? Nein, das sind nur verdammt große Tropfen) niederging.

    Und nun sind es keine vier Uhr mehr, mein Rechner zeigt an, dass es zu Hause halb sechs Uhr abends sind, dann sind sie das hier morgens. Der erste Chai ist getrunken, die Sonne geht langsam auf – wird auch Zeit, denn ich habe kalte Füße, trotz zwei Lagen Socken…

    Und heute schauen wir uns mal das Land an…





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Mittwoch, 5. November 2014 um 07:33 in der Kategorie Allgemein. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
  • 2 Kommentare

    1. Mittwoch, 5. November 2014

      Durchhalten! :-)

      Die bessere Phase kommt erst noch, sicher!
      Und kauft Motoröl, alte Damen müssen immer gut geschmiert sein :-)

      Herzliche Grüße und alles Gute für Euch,
      Cordula & Jürgen

    2. Regine
      Mittwoch, 5. November 2014

      Hallo Ihr Lieben,
      nehmt es sportlich ! Was kann Euch noch schockieren, nach diesem Jahr bei PJ ? Aber – alles wird gut – auf allen Erdteilen !
      Genießt die Natur, vergesst die Camper !
      Ganz liebe Grüße vom anderen Stern
      Regine

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