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    Veröffentlicht am Montag, 6. Oktober 2014

    von Jutta Schützdeller

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    Outlander- Die Serie, Review Folge 1: Sassenach

    Ich habe ja schon ein Weilchen darüber sinniert, ob ich mich den BloggerInnen anschließen soll, die ich vorwiegend aus dem englischsprachigen Bereich kenne und die sich mit der Serie Outlander befassen. Es gibt einige wenige, die das auch in deutscher Sprache tun, schließlich muss man sagen, wer jetzt bereits weiß, was in den ersten Teilen von Outlander geschieht, der hat die Serie vermutlich irgendwo in den Tiefen (oder besser gesagt: Untiefen) des Internet gefunden.

    Was mich persönlich im Übrigen nicht davon abhalten wird, mir die Serie auf Video zu kaufen, sobald das möglich ist.

    Aber nun zu Outlander, denn die Tatsache, dass Ihr dies hier lest zeigt, dass ich mich entschieden habe, mich in die Bloggerriege einzureihen.

    Jeder von uns, der von einem bestimmten Buch sagen kann, dass er es liebt (und ich nehme hier Sachbücher ausdrücklich aus), der kann das vermutlich deshalb sagen, weil dieses bestimmte, dieses eine Buch im Stande war, Bilder im Kopf entstehen zu lassen, manches Mal mehr als das, auch Gerüche, Gefühle, ein ganzes Kopfkino, oder so eine Art Holodeck, ein allumfassendes Erlebnis, ausgelöst durch die simple Abfolge von Buchstaben. Bücher, die so etwas vollbringen, sind etwas ganz Besonderes, dabei ist es sehr individuell, welches Buch bei wem was auslöst, aber eines haben sie auf jeden Fall gemein: Sie sind uns ungemein wertvoll.

    Outlander war für mich so ein Buch, besser gesagt, eine Serie. Sie traf genau das, was ich von einem Buch erwarte, Abenteuer, Mystik, Romanze, aber keine Schnulze, eine starke Frau als Protagonistin, eine gehörige, unverkrampfte Portion Erotik, flüssig geschrieben, genau das „Rezept“, um mich in den Bann zu ziehen. Ich verschlang die Bücher und ich erinnere mich noch gerne an das „Kopfkino“ vieler Einschlafphasen, bei denen selbstverständlich ich in die Rolle von Claire schlüpfte und mich jeden Abend aufs Neue fragte, wie ich in einer solchen Situation reagieren würde. Besonders spannend wurde das, als ich im Buch an die Stelle kam, wo Claire nach vielen Jahren in der Gegenwart zu Jamie zurückkehrt. Was hätte ich an ihrer Stelle mitgenommen? Diese Frage hat mich wirklich lange beschäftigt.

    Die Figuren des Buches waren für mich lebendig, ich hatte genaue Vorstellungen von Frank, Claire, Jamie, Jack, aber auch von Brianna und Roger.

    Und dann erreichte mich die Nachricht, dass Outlander verfilmt wurde und ich erhaschte einen ersten Blick auf die Hauptdarsteller Sam Heughan und Caitriona Balfe.

    Ich will ehrlich sein, Bei Sam Heughan dachte ich im ersten Moment, dass er ein wenig schmalbrüstig für diese Rolle einherkommt, bei Caitriona erging es mir ebenso. In meinem Kopf war Claire eher ein wenig „drall“, insbesondere weil Jamie, als er sie zum ersten Mal nackt sieht sagt: „Du bist sicherlich eine gute Gebärerin“. Gute Gebärerinnen tragen in der Regel nicht Size Zero.

    Wie auch immer, ich dachte, lass Dich einfach überraschen, mal schauen, was sie draus machen.

    Starz ist sicherlich nicht die Heilsarmee. Sie sind angetreten um einen Stoff zu verfilmen und ein Traumnetz zu weben, in dem sich millionenfach Frauen (und Männer) verfangen, die dann Merchandising-Produkte kaufen und die Produktionskosten brav wieder einspielen. Eine Verfilmung als Serie birgt den Vorteil, dass man sich ausgiebigst mit dem Stoff befassen kann und rundherum die Werbeeinnahmen das Bett schön weich halten. Das sind alles Umstände, derer ich mir durchaus bewusst war. Die Einbindung der Autorin Diana Gabaldon fand ich beruhigend, obwohl mir aus der Vergangenheit (z.B. J.K. Rowling) bekannt ist, dass dies nicht immer hilfreich ist.

    Und jetzt, nach dieser endlos langen Vorrede, geht es endlich los.

    Folge 1, Sassenach:

    Ich brauchte ein wenig, um mich in die Situation einzufinden, ich hatte verdrängt, dass der Beginn der Geschichte ja nach Beendigung des zweiten Weltkrieges spielt. Claire und Frank sind auf dem Weg nach Schottland und die filmische Umsetzung ist gelungen. Die zögerliche Rückkehr zur Normalität, ausgedrückt durch die Szene vor einem Schaufenster, als Claire sich bewusst wird, dass sie niemals so etwas einfaches wie eine Vase besessen hat, zeigt deutlich, dass wir es hier mit einer Frau zu tun haben, die bislang nicht dem Bild entspricht, das wir von Frauen ihrer Zeit haben. Claire war War-Nurse, Kriegskrankenschwester, und wenn wir auch wissen, dass viele Frauen ihren Dienst in den Feldlazaretten geleistet haben, so ist uns dann doch nur unzureichend klar, was es für diese Frauen bedeutete, Männern oft genug hilflos beim Sterben zusehen zu müssen. Schön die Darstellung von Claire, die den inneren Schrecken überdeutlich zeigt, die auf die Nachricht, dass der Krieg zu Ende ist, zunächst einmal gar nicht richtig reagiert.

    Und dann sind sie und ihr Mann Frank in Schottland, in den Flitterwochen, wie sie sagt, aber bei Frank macht es den Eindruck, als sei er noch auf einer anderen Mission. Er sucht nach seinen Vorfahren, wer sie waren und wo sie lebten. Warum er, der auf den sehr „unschottischen“ Namen Randall hört, ausgerechnet in Schottland nach seinen Vorfahren sucht wird klar, als der Name „Black Jack Randall auftaucht, seines Zeichens Hauptmann der Dragoner und in den Highlands zu Zeiten der jakobitischen Rebellion stationiert.

    Den versierten Leserinnen unter uns Zuschauern ist zu diesem Zeitpunkt natürlich schon alles klar, aber für Claire und Frank ist der Aufenthalt in Inverness zunächst einmal ein Versuch, sich wieder näher zu kommen und das schaffen sie auch. Was zunächst eher an scheue Annäherungsversuche erinnert, wird nicht zuletzt durch Claires Genussfähigkeit mehr und mehr zur Normalität. Auch hier entspricht Claire nicht zwingend dem Bild, das zumindest ich von Nachkriegsfrauen hatte, aber vielleicht liegt das am total verschrobenen Frauenbild des dritten Reichs und direkt danach, dass ich mir nicht vorstellen konnte/kann, dass Frauen in dieser Zeit außer zu überleben überhaupt zu etwas in der Lage waren.

    Während Frank nun seinem Hobby nachgeht, sieht Claire sich in der Gegend um und entdeckt ihr Interesse an Pflanzen. Sehr schön die Szenen im Haus des Reverend Wakefield, bei dem Frank in den Kirchenarchiven recherchiert, ich hatte fast den Eindruck, ein altes Grammophon hören zu können. Die Farben und die Atmosphäre sind wirklich gut gelungen.

    Und dann kommt Craig na Dun in Sicht. Claire und Frank belauschen die örtlichen Druidinnen bei ihrem Sommertanz, dabei ist Frank deutlich faszinierter als seine Frau. Als sie den Steinkreis betreten, nachdem die tanzenden Damen abgezogen sind, findet Claire am Fuß eines Menhirs eine Pflanze, die sie nicht kennt. Bevor sie sie mitnehmen kann, kehrt eine der Tänzerinnen zurück. Frank und Claire ziehen sich daraufhin zurück.

    Im Intro der Serie sind die tanzenden Frauen zu sehen und ich muss sagen, die Dramaturgie hat ihnen einen Platz eingeräumt, der ihre Würde durchaus bewahrt. Im Buch war der Bruch zwischen den Frauen der 40er Jahre und dieser uralten Tradition sehr deutlich und zuweilen harsch, aber hier ist ihr Auftritt sehr stimmungsvoll.

    Am nächsten Tag, so scheint es, will Frank erneut ins Pfarrhaus, um weitere Erkundungen über seinen Urahnen, „Black Jack Randall“ einzuholen, aber Claire ist neugierig auf die unbekannte Pflanze, die ihr im Steinkreis aufgefallen ist. Sie verabredet sich mit Frank für den Abend und fährt alleine zum Steinkreis.

    Ich habe mich immer gefragt, wie ich „den Übergang“  filmisch lösen würde. Claire selber beschreibt es ja im Buch ziemlich leidenschaftslos, sehr unspektakulär und genau so haben es die Macher von Outlander auch umgesetzt. Keine Special Effects, kein großes Brimbammborium, das Bild verschwimmt und dann ist es dunkel. Erholsam unaufgeregt. Großes Kino im Kleinen.

    An dieser Stelle sei der Erzähl-Text erwähnt. In vielen anderen Rezensionen habe ich gelesen, dass er als störend empfunden wird, aber ich muss sagen, dass ich ihn als elementaren Bestandteil des Ganzen wahrnehme. Er stört mich nicht im Geringsten, im Gegenteil, er vertieft, wo das Buch umso vielschichtiger ist als es eine Serie je sein kann.

    Insbesondere jetzt, wo Claire erwacht und ihr schnell klar wird, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmt, sind ihre Gedanken mehr als einen Penny wert. Filmisch sehr gut gelöst der Übergang von Farben und Stimmung, als Claire (noch im Hellen) vergeblich nach Straße und Auto sucht und auf ihrem Irrweg auf den schon mehrfach erwähnten Black Jack Randall stößt. Spätestens jetzt ist jedem klar, dass Claire ein Problem hat. Frank und Jack Randall werden von Tobias Menzies gespielt und angesichts der Antipathie, die dieser Mann in mir auslöst muss ich sagen, er macht seinen Job ausnehmend gut. Dass Jack Randall nicht der freundlichste Zeitgenosse unter der Sonne ist, wissen die Leserinnen bereits, wenn Claire ihm am Bach das erste Mal begegnet, den „Nur“-Zuschauern schwant bereits nach kurzer Zeit Böses, wenn er sie mit seiner Waffe an die Felswand drückt und der verwirrten Frau Gewalt antun will.

    Die Rettung naht in Form eines Schattens, der sich von oben auf den Angreifer wirft… und sich als schmutzstarrender, berockter Mann entpuppt, der sich zudem noch ziemlich unverständlich ausdrückt. Die Leserinnen sind erleichtert, die „Nur“-Zuschauer zunächst ähnlich verwirrt wie Claire. Murtaugh, den wir im Laufe des Buches und der Serie wohl noch besser kennenlernen, fackelt nicht lange und zerrt unsere Protagonistin aus dem Einzugsbereich des von ihm kurzzeitig niedergestreckten Dragoner-Hauptmanns, setzt sie vor sich auf sein Pferd und bringt sie in eine unscheinbare, heruntergekommene Kate, bei der nur eine kleine Rauchsäule aus dem Kamin davon kündet, dass sie nicht unbewohnt ist. Claire ist zu diesem Zeitpunkt bereits bis auf die Knochen nass und sieht in ihrem dünnen Leinenkleid nicht gerade vorteilhaft aus, um so authentischer also die Szenerie. Schottland bei schönstem Sommerwetter, eben 100% Luftfeuchtigkeit.

    Innerhalb der Kate hocken bei einem qualmenden Feuer, dass mir als Zuschauerin schon ein verdächtiges Kratzen im Hals ausgelöst hat, weitere Männer, bei denen ich unmöglich sagen könnte, wer den „Dirty-Shirt-Contest“ gewinnen würde. Claire ist klar, dass sie noch nicht außer Gefahr ist und wenn man sich die Gesichter der Anwesenden ansieht, versteht man auch warum. An dieser Stelle mal ein großes Lob an die Casting-Crew, die Rollen sind wirklich sehr gut besetzt, aber dazu später.

    Und dann kommt es zur ersten, folgenschweren Begegnung zwischen Claire und Jamie, der mit ausgerenkter Schulter am Feuer sitzt. Bei seinem Anblick dachte ich: Wo ist denn der schmächtige Kerl aus der Ankündigung? Was da schweißgebadet vor dem Feuer  hockte, ist nicht nur ausgesprochen ansehnlich, Sam Heughan wird wohl in Erwartung der kommenden Nacktszenen noch ein paar Extraschichten im Studio eingeschoben haben. Doch, dieser Jamie kommt dem aus meinem Kopf schon deutlich näher.

    Aber für solche Nebensächlichkeiten bleibt zunächst keine Zeit, denn Claire zeigt, wozu sie fähig ist. Gewohnt, mit Soldaten in eher rauem Umgangston zu agieren, faucht sie die Highlander an und zeigt, wer in dieser Kate die „Hosen“ anhat. Dougal McKenzie, der Anführer der Truppe, gewährt ihr denn auch Zutritt zu seine verletzten Gefolgsmann.

    Für ein erstes Date ist das Einrenken einer ausgekugelten Schulter sicher nicht der perfekte Einstieg, aber Jamie scheint es zu gefallen, denn zunächst befreit Claire ihn von seinen Schmerzen. Immer deutlicher wird Claire, dass sie sich nicht mehr in „ihrer Welt“ befindet und als Dougal den Aufbruch anordnet und sie mit Jamie vor die Hütte tritt, fragt sie nach Inverness. Jamie weist auf den Horizont und meint, dort unten liege der Ort, von dem im tiefen Dunkel der Nacht nichts zu sehen ist. Jetzt dürfte auch dem letzten klar geworden sein, dass wir nicht mehr da sind, wo wir gerne wären, nämlich in beruhigender Nähe der Zivilisation.

    Da Claire sich als Krankenschwester bewährt hat, „darf“ sie mit Jamie durch die lauschige, also tropfnasse, schottische Nacht reiten. Ihr wird klar, dass dieser Ritt kein lustiger Ausflug ist, sondern eher einer Flucht gleicht, denn es geht durch Tag und Nacht ohne nennenswerte Pausen. Unterwegs erkennt Claire eine Felsformation wieder, die als Hinterhalt für englische Soldaten dient, wohl wissend, dass sie sich vermutlich in der Zeit des jakobitischen Aufstandes befindet, warnt sie die Reiter, ohne zu ahnen, dass sie sich damit noch verdächtiger macht. Ihr Erscheinen aus dem Nichts, ihre Sprache, ihre unangemessene Kleidung lässt die Männer misstrauisch sein und bringt ihr den Namen „Sassenach“ ein. Schön gelöst übrigens die Verwirrung und die Desorientierung von Claire. Im Original sprechen die Highlander sehr häufig Gälisch, da mit Absicht keine Untertitel eingeblendet werden, sind wir als Zuschauer ebenso ratlos wie Claire, wir verstehen genau wie sie nichts und können nicht einschätzen, ob gerade über ihr Schicksal befunden oder nur das Wetter kommentiert wird.

    Und dann kommt Castle Leoch in Sicht, das Claire gefühlt vor wenigen Stunden mit ihrem Ehemann Frank besucht und sogar für eine erotische Zwischeneinlage genutzt hat. Im Gegensatz zur erotischen Szene ist die Burg jedoch nicht unbelebt, sondern scheinbar „in Betrieb“.  Jetzt weiß Claire ganz sicher, dass sie nicht mehr in „ihrer“ Zeit ist.

    Die erste Folge hat mich einerseits sehr zufrieden zurückgelassen, andererseits nicht. Ich freue mich über die Akribie, mit der der ursprüngliche Stoff verfilmt wird, viele lieb gewonnenen Szenen aus dem Buch finde ich wieder, die Atmosphäre ist stimmig, es ist so, wie ich mir das Leben im 18. Jahrhundert vorstelle: Nicht mehr mittelalterlich, aber noch schrecklich dreckig, voller Aberglaube und dennoch an der Schwelle der Aufklärung. Die bewegte Geschichte des schottischen Volkes wird hier auf eine Art wiedergegeben, die erklärt, warum die Ausstrahlung der Serie bis nach dem Referendum verzögert wurde. Ich glaube tatsächlich, dass diese Serie mehr hätte bewegen können, als so manche Rede. So sind die Menschen halt.

    Was die Besetzung angeht, kann ich sagen, dass mich Jamie Fraser neugierig gemacht hat, Dougal McKenzie (Graham McTavish) mehr als beeindruckend rüberkommt und Claire schlicht und einfach zu dünn ist. Ihr Blick ist mir noch zu waidwund, sie wirkt zuweilen wie ein Fähnchen im Wind, wie sie so dasteht in ihrem nassen Kleidchen, da ist nichts von der Frau, die im weiteren Verlauf einen Wolf beißen und töten wird. Wenn sie das schaffen will, muss sie noch zulegen…





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Montag, 6. Oktober 2014 um 15:37 in der Kategorie Filme, Bücher, Politik. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
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