• Von Forumstrollen und der Kunst, ruhig zu bleiben…

    Tach zusammen!

    Ach wissen Sie, leicht ist das mit der Kommunalpolitik nicht. Wirklich nicht. Vor allem dann nicht, wenn sich am Horizont Wahlen abzeichnen. Das ist dann ein bißchen so wie die Brunftzeit bei Hirschen, da röhrt es laut im Unterholz, die Hormone übernehmen die Regentschaft, lange bevor der eigentliche Termin für… Sie wissen schon was… gekommen ist.
    Nun röhrt es auch in der Kommunalpolitik wieder, denn im Mai finden die Kommunalwahlen statt, bei denen die Stadt- Verbandsgemeinde und Ortsparlamente gewählt werden (Kreis und Europa auch, aber da sieht es etwas anders aus).

    Selbstredend sind alle Parteien mit Herzblut bei der Sache, es gilt eine Menge organisatorischer Hürden zu nehmen, seien es Listenaufstellungen, Kandidatensuche, Programmentwürfe und natürlich die Planung des Ablaufs des Wahlkampfes insgesamt. Neben dem allgegenwärtigen Röhren im Unterholz breitet sich bei den Protagonisten auch sowas wie Adventsstimmung aus, also “wir warten aufs Christkind”, eine unterschwellige Aufregung, Spannung, ja sogar Freude. Ich weiß, manch einer schüttelt bereits an dieser Stelle mit dem Kopf, aber so ist es wirklich. Wir sind doch alle nur Menschen…

    Die Aufgaben sind mannigfaltig und als Ehrenamtler nicht leicht zu bewältigen. Da gibt es keine Medienagenturen oder Heerscharen von Helferlein, die Schleppen und Basteln, Bauen und Planen, vor Ort wird noch alles von Hand gemacht, die Plakate liegen auf dem Anhänger und der Kandidat steigt noch höchstpersönlich auf die Leiter, um die Kabelbinder festzuziehen.

    Neben dieser ganzen Arbeit gibt es natürlich den dringenden Wunsch, die eigenen Vorstellungen an den Wähler, bzw. an die Wählerin zu bringen. Nun muss man ehrlicherweise zugeben, dass sich die Parteien in den kommunalen Parlamenten auf Grund ihres “Grundsatzprogrammes” gar nicht so sehr unterscheiden. Die jeweiligen Bundeswahlprogramme sind für den Wahlkampf vor Ort etwa so brauchbar wie hell schimmernde LED-Plakattürme, nämlich gar nicht.

    Man unterscheidet sich in Köpfen. Und Ansichten. Jetzt aber hinzugehen und zu behaupten, die von der CDU seien alles gute Christen und die Sozialdemokraten allesamt Heidenkinder, wäre natürlich unsinnig und vollkommener Quatsch. Nein, die Unterscheidung findet sich in der Einstellung, wie man Probleme und Herausforderungen angeht, welche Wege man beschreitet. Denn eines ist gewiss, eine Sache haben wir alle gemeinsam, wir wollen das Beste für unsere Heimatstadt. Nur der Weg, den wir gehen wollen, um an dieses Ziel zu gelangen, unterscheidet sich gewaltig.

    Jetzt könnte man meinen, das sei alles ganz einfach. Jeder sagt, was er will, der Wähler sucht sich davon aus, was ihm am ehesten zusagt, und gut ist.

    Schön wär´s.

    Weil alle mit so viel Herzblut dabei sind, und weil alle so unendlich fest davon überzeugt sind, den richtigen Weg gefunden zu haben, schwappen die Gefühle schon mal hoch, der Gaul geht durch, die Zügel werden locker, und dann passiert, was eigentlich nicht passieren dürfte:

    Es wird persönlich.

    Das ist die unschöne Seite des Wahlkampfes. Da gibt es Ängste vor dem politischen Gegner, da werden scheinbare “Punktsiege” des Mitbewerbers gleich in den Schlammcatch-Ring gezogen, da wird nachgetreten, auf allen Kanälen diskreditiert, mobilisiert und gemobbt, was das Zeug hält.

    Der Wähler schüttelt schon gar nicht mehr den Kopf, er wendet sich sehr schnell angewidert ab, aber zu diesem Zeitpunkt ist es schon so, wie mit den Kindern, die sich im Sandkasten streiten, während die sich längst wieder vertragen haben, sprechen die Eltern nie wieder ein Wort miteinander.

    Ich nehme mich im Übrigen von diesem “mir platzt die Hutschnur” nicht aus. Ich bin genauso mit Herzblut dabei, verbringe unzählige Stunden damit, zu helfen, wo ich kann und wenn ich vom politischen Mitbewerber etwas lese, was beleidigend und niveaulos ist, fällt es mir unsagbar schwer, ruhig zu bleiben und meine Wut zu zügeln. Wie schrieb ein Mitglied des “gegnerischen Vereins” unlängst:

    “Ich würde gerne sehen, wie bei denen der Kopf langsam rot wird und die Wut in ihnen hochsteigt”.

    Ich finde es schade, wenn eine Auseinandersetzung auf diese Weise geführt wird und ich meine Kraft dafür aufwenden muss, meinen Ärger herunterzuschlucken. Ich möchte so nicht wahlkämpfen. Ich finde es widerlich, wenn sich eine Seite  anmaßt, die andere in den Schlamm-Catch-Ring ziehen zu wollen und ich finde es unerhört, aus einer Diskussion, die sachlich geführt werden sollte, eine persönliche Vendetta zu machen… sehen Sie, schon rege ich mich wieder auf…

    Jetzt könnte man natürlich sagen:

    “Siehste, gerade WEIL Du mit so viel Herzblut dabei bist, regst Du Dich halt auf, das zeigt doch, wie sehr Du Dich engagierst.”

    Mag sein. Ich habe jedoch dummerweise einen Fehler. Ich liebe die Satire. Satire erfordert allerdings einen Rezipienten, der in der Lage ist, die zuweilen im Grobleinenen daherkommenden, aber immer feinsinnigen Untertöne zu verstehen. Und da überschätze ich mein Gegenüber manchmal. Daran muss ich wohl noch arbeiten. Aber ich gelobe Besserung.

    Denn die Inhalte, die ich zu vermitteln habe, sind es Wert.





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Mittwoch, 12. Februar 2014 um 11:23 in der Kategorie Filme, Bücher, Politik, LARP. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
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