• Schule in Rheinland-Pfalz… Quo Vadis?

    Die Schulreform in Rheinland-Pfalz befindet sich mitten in ihrer Umsetzungsphase. Allerorten rangeln sich Städte und Gemeinden um die nun begehrte Zulassung zur Integrierten Gesamtschule (IGS), der neuen Schulform, in der alle Schulabschlüsse gleichermaßen möglich sein sollen.

    Die Liberalen in Rheinland-Pfalz haben sich im Rahmen der Diskussion um die Frage, ob eine solche Schul(re)form zum gewünschten Ziel führt, klar und eindeutig positioniert. Die FDP stimmte für eine Weiterführung des dreigliedrigen Schulsystems.

    Nichts, aber auch gar nichts spricht gegen eine individuelle Förderung des Einzelnen, gleiche Chancen für alle sind das erklärte Ziel der Liberalen, der Ansatz der FDP beginnt aber bereits in den Kindergärten, wo die Sprachkompetenz der Vorschulkinder einer Überprüfung unterzogen werden soll. Hier soll die Förderung bei denjenigen ansetzen, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, um ihnen die nötige Förderung zukommen zu lassen. Zu Beginn der Schulzeit sollen sie die gleichen Startbedigungen haben wie ihre Mitschüler, die vormals keine Probleme mit der deutschen Sprache hatten.

    Die Integrierten Gesamtschulen vertreten das Konzept einer individuellen Schulbildung – ermöglicht an einem Ort. Je nach Leistungsfähigkeit des einzelnen Schülers kann ein Hauptschul- Realschul-, oder Gymnasialabschluss erreicht werden. Ob unter diesen Bedingungen ein qualitativ hochwertiger Abschluss erzielt werden kann, beobachten die Liberalen mit Sorge und Zweifel.

    Eine solche Schulform ist eine große Herausforderung und verlangt einen hohen Personaleinsatz und eine motivierte, maximal unterstütze Lehrerschaft. Die Realität an rheinland-pfälzischen Schulen sieht jedoch anders aus. Derzeit klagen Lehrer zu Recht über die knappe Besetzung der Kollegenschaft, zusätzliche Anforderungen, erhöhten bürokratischen Aufwand und eine viel zu hohe Stundenausfallrate. Eine IGS fordert Klassenstärken von nicht mehr als 25 Schülern, die in verschiedenen Kursen geführt werden, eine Forderung, die mit den derzeitigen Mitteln nicht sicherzustellen ist.

    Unsere Hauptschulen haben in den vergangenen Jahren einen dramatischen Verlust ihres Rufes hinnehmen müssen, Lehrherren ziehen mittlerweile für Berufsausbildungen, bei denen früher Hauptschüler problemlos eine Lehrstelle bekommen konnten, Realschüler vor, ähnlich hat sich die Situation bei Realschülern verändert, die nun verstärkt mit Abiturienten konkurrieren müssen.

    Wie wird es nun weitergehen?

    Die Schulreform ist beschlossen, die Umsetzung hat begonnen. Neben den Effekten, die das auf unsere Kinder haben wird und bei denen die Liberalen mit kritischem Blick beobachten werden, wie sich das Leistungsniveau in unserem Bundesland, dessen Abschlüsse bislang zu den hochwertigsten in Deutschalnd zählten, entwickeln wird, bleibt abzuwarten.

    Liberale Kollegen in den kommunalen Gremien stehen heute mehr denn je vor der Frage, ob ihre Verbandsgemeinde oder ihre Stadt einen Antrag auf eine IGS stellen soll. Da nur wenige Anträge pro Jahr genehmigt werden, jetzt aber plötzlich alle “auf diesen Zug aufspringen” wollen, hat man mit der “Realschule Plus” ein Angebot geschaffen, um die Gemeinden zu befriedigen, die nicht in den zweifelhaften Genuss einer IGS kommen. In der Realschule Plus soll eine Fachhochschule integriert werden, so dass man an diesen Schulen zwar kein Abitur, so doch aber die Fachhochschulreife erwerben kann. Auch hier sind erhöhter organisatorischer und personeller Aufwand von Nöten.

    Ein Aspekt bei der Umsetzung der Reform ist die Trägerschaft der jeweiligen Schule. Ein Umstand, der den Liberalen besondere Sorgen bereitet ist, dass der Träger einer Schule, die zur IGS bzw. zur Realschule Plus mit Fachhochschulangebot wird, von der Gemeinde hin zum Kreis wechselt.

    Die damit verbundenen Veränderungen sind vielfältig und dürfen nicht durch den “Run” auf die neuen Schulformen zu wenig beachtet werden.

    Sind Hauptschulen und z.T. Realschulen derzeit in der Trägerschaft der jeweiligen Gemeinde/Stadt, so geht die Trägerschaft dann auf den Kreis über. Was das im Einzelnen bedeutet, ist nicht jedem klar.

    Eine Schule stellt für eine Gemeinde einen Wert dar, der in der Bilanz zu Buche schlägt. Geben die Gemeinden die Gebäude ab, verlieren sie einen Teil ihres Besitzes, die Gemeinde ist “weniger wert”.

    Sicherlich ist auf den ersten Blick von Vorteil, die Kosten für den Betrieb einer Schule auf den Kreis “abzuwälzen”, bei genauerer Betrachtung muss man jedoch auf zwei Punkte unbedingt hinweisen.

    1. Die Landkreise in Rheinland-Pfalz befinden sich in einer mehr als prekären finanziellen Lage. Auch wenn es Verbandsgemeinden und Städten “schlecht” geht, den Landkreisen geht es in der Regel wirtschaftlich noch deutlich schlechter. Wenn jetzt die Landkreise “gezwungen” sind, den Gemeinden die Schulen “abzukaufen” und ihnen dafür Ausgleichszahlungen zu leisten, wird das finanziell ein Debakel – und niemand spricht davon, dass diese Schulen im Anschluss ja auch noch betrieben werden müssen und somit weiter Kosten verursachen. Schon jetzt schleicht sich bei Gemeinden, die einen Antrag auf ISG gestellt haben die Vorgehensweise ein, kein Geld mehr in die Schulen zu investieren, weil “man die ja eh bald an den Kreis abtritt”.

    2. Da im Vermögen der Gemeinden weniger Passiva zu Buche steht, wird es schwerer fallen, notwendige Kredite aufzunehmen – jeder kennt das aus eigener Erfahrung, wenn man keine Werte hat, bekommt man von Banken kein Geld.

    3. Den Kreisen wird im Laufe der Zeit nichts anderen übrig bleiben, als die Umlagen zu erhöhen, somit wird die Ersparnis, die man sich seitens der Gemeinden verspricht, zum Teil wieder aufgefressen werden. Wirtschaftliche Beweglichkeit wird hier sicherlich nicht gewonnen.

    Ich kann den Kolleginnen und Kollegen in den Räten nur dringend ans Herz legen, bei Beratungen zum Thema Schule die Kosten dieser Veränderungen nicht aus den Augen zu verlieren und sich von kurzfristigen Effekten nicht täuschen zu lassen. Fatalismus, also die Einstellung “Da kann man eh nichts mehr ändern, also machen wir mit”, sollte nicht als Leitfaden für ihre Entscheidung gelten.

    Unsere Ressourcen stecken nicht im Boden – sie stecken in den Köpfen unserer Kinder!





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Freitag, 6. November 2009 um 13:53 in der Kategorie LARP. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
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