• Die Fälscher von Mendig….

    Tach zusammen!

    Der Streit schwelt schon eine ganze Weile und wissen Sie, ich hatte einfach die Nase voll.

    Kaum eine Ratssitzung, bei der nicht irgend jemand anmerkte, dass das Wasser im Freibad doch jetzt wirklich zu kalt wäre, woraufhin die Gegenseite zu wortreichen Ausführungen anhob, warum genau das nicht der Fall sei. Selbst eine pensionierte Lehrerin schaltete sich in die Diskussion ein und meinte, die blauen Lippen ihrer Schüler hätten niemals zu ernsthaften Erkrankungen geführt, das Wasser sei also nicht zu kalt. Getreu nach dem Motto: Was uns nicht umbringt, macht uns härter. Seufz.

    Da ich ja jemand bin, der auf dem Standpunkt : “Nicht jammern, handeln!” steht, habe ich überlegt, was man denn nun tun könnte, um diesem unseligen Streit ein Ende zu bereiten. Dabei war es mir wichtig, kein bürokratisches Monster zu erschaffen und das Ganze wirtschaftlich so günstig zu gestalten wie möglich.

    Jeder von Ihnen, der in einem Unternehmen arbeitet, das sich weiterentwickeln möchte, kennt den unbedingten Willen zu erfahren, was der Kunde vom Produkt, von der Dienstleistung hält, die man anzubieten hat. Nun kann man schlecht eine Kundenversammlung durchführen, also macht man es klassisch:

    Man befragt den Kunden.

    Diese Praxis hat sich in den letzten, sagen wir mal, zwanzig Jahren, mehr als bewährt und wird deshalb von Banken, Versicherungen, Krankenhäusern, Hotels und unzähligen anderen Unternehmen angewandt.

    Genau das hatte ich im Sinn, ich halte eine Befragung für eine unaufwendige, praktikable und smarte Methode  nicht nur zu erfahren, wie die Besucher des Schwimmbades die aktuellen Wassertemperaturen tolerieren, sondern auch, welche Vorschläge und Wünsche die derzeitigen und hoffentlich auch zukünftigen Gäste des Mendiger Freibades haben.

    Das konnte natürlich von der SPD nicht unkommentiert bleiben. Zunächst wies Hans-Peter Ammel darauf hin, dass er eine Befragung der Besucher für wenig sinnvoll halte, denn es habe sich erwiesen, dass Befragte auch antworten. Dann müsse man ja schließlich auch reagieren.

    Ja, stimmt schon… so gesehen… richtig.

    Nachdem sich dankenswerterweise die Kollegen der CDU für meinen Vorschlag erwärmen konnten, schien dann auch für die SPD die Strategie: “Wenn wir die Idee schon nicht hatten, setzen wir uns an die Spitze der Bewegung” in Kraft zu treten. Anstatt der leicht durchzuführenden Befragung zuzustimmen, forderte Helmut Selig nun eine Bürgerversammlung.

    Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Bürgerversammlungen. Aber sind wir mal ehrlich, viel kommt bei sowas nicht raus, mal davon ab, dass auf einer solchen Versammlung auch immer nur ein Teil der Anwesenden zu Wort kommt. Die Ansicht der Meisten, die dort sitzen, bekommt man nicht zu hören. Das ist bei einer Besucherbefragung mittels eines anonym auszfüllenden Bogen Papiers erfahrungsgemäß anders.

    Und nun kommts.

    Joachim Heuft von den Grünen schaltet sich ein und gibt zu bedenken, dass eine solche Befragung ja auch gefälscht werden könne.

    Hallo? Moment kurz, wo waren wir hier? Washington? Watergate?

    Entschuldigung. Es geht um die Wassertemperatur in einem Freibad, nicht um die Frage, ob Atomwaffen auf dem ehemaligen Flugplatz in Mendig gelagert werden dürfen. Da würde uns ohnehin niemand fragen, was wir davon halten.

    In die Kerbe mit der Möglichkeit, das Ergebnis der Befragung zu fälschen, stießen dann (wohl abgesprochener maßen) die Kollegen von der SPD und ich kam mir mittlerweile wirklich vor wie in einem Kindergarten.

    Jetzt fabulierten diejenigen, deren Bürgermeister eben noch davon gesprochen hatte, dass er die Befragung von Bürgern an sich gar nicht so gut findet, von “Transparenz” und “Bürgerbeteiligung”, dass einem die Sinne schwinden konnten. Meine Bitte, bei dieser Sache doch an Durchführbarkeit und Praktikabilität zu denken, verhallte ungehört… Der sozialdemokratische Elefant war geboren.

    Auf meine Bedenken hin wurde mir die Frage entgegengeschleudert, wie viel Bürgerbeteiligung denn im Sinne der Liberalen wäre und ob ich es nicht aushalten könne, wenn es zu diesem Thema eine Bürgerversammlung gebe. Meine zum Himmel verdrehten Augen halfen nicht. War ich es nicht gewesen, die um eine Beteiligung und Befragung gebeten hatte? Das war den Kollegen und Kolleginnen der sozialdemokratisch-ökologischen Versammlungsbefürworter scheinbar zu diesem Zeitpunkt bereits entgangen.

    Wie auch immer. Ich fasse für Sie und für mich die aus dieser Sitzung gewonnenen Erkenntnisse noch einmal zusammen:

    1. Bürgermeister H.-P. Ammel wollte eigentlich gar nicht.

    2. Die Bürger von Mendig verfügen in den Augen der Grünen über die notwendige kriminelle Energie und den Willen, eine Besucherbefragung im Freibad zu fälschen.

    3. Anstatt eines DIN A4 Zettels, den jeder im Freibad anonym ausfüllen und in eine Box werfen kann, wird es nun eine Bürgerversammlung geben…

    4. Wann das sein wird, steht in den Sternen…

    Willkommen in der bunten Welt der SPD-Fraktion.

    In diesem Sinne

    Ihre Jutta Schützdeller

    Bild: "Blick Aktuell", Krupp-Verlag, Sinzig




    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Mittwoch, 13. Juni 2012 um 08:12 in der Kategorie LARP. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
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