• Bitterer Beigeschmack – von alten und neuen Feindbildern

    Anderthalb Jahre ist es nun her, dass sich in Mendig die Gemüter erhitzten, weil das Unternehmen Mendiger Basalt zum Abbau des begehrten Lavagesteins Sprengstoff nutzte und das nicht zu knapp. Ich erinnere mich noch an Szenen, da wurde mir mulmig, als ich in einem Haus in der Brauerstraße saß und auf den Knall und das Wackeln wartete – und es bekam, mehr als mir lieb war. Das Resultat einiger vollkommen missglückter Sprengversuche war dann konsequenterweise auch das vorläufige Verbot jeglicher weiterer Sprengung. Eine Erleichterung für die Anwohner, eine Katastrophe für das Unternehmen.

    Ungeachtet dessen war es ein großer Moment, als die grüne Wirtschaftsministerin des Landes Rheinland-Pfalz medienwirksam eine Kostenübernahme für die Untersuchungen der unterirdischen Hohlräume in Mendig zusagte. Ich habe mich damals sicherlich ebenso gefreut wie die Anwohner, gibt doch eine solche Untersuchung endlich eine Chance, die Stabilität des Untergrundes unserer Stadt einigermaßen einzuschätzen. Das ist nicht nur für die Anwohner gut, sondern auch für jegliche weitere Aktivität – und dazu gehört natürlich auch der Abbau von Basalt.

    Nun kann man sich natürlich auf den Standpunkt stellen, man wolle diesen Abbau eigentlich gar nicht, aber unsere Region vom Abbau vulkanischen Gesteins zu trennen ist in meinen Augen lächerlich – schließlich hat dieser Abbau mit seinen vielen Facetten eine wirklich Jahrtausende alte Tradition.

    Natürlich darf Haus und Hof, Leib und Leben in diesem Zusammenhang nicht gefährdet werden, soviel muss klar sein, umso wichtiger ist es, sich mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und Vorsicht diesem Thema zu nähern.

    Aber auf dem Weg sind wir ja, oder?

    Na ja…

    Zunächst ist da mal die Kostenzusage der Ministerin, die ich mittlerweile auch schon mal in einem offenen Brief anmahnte, woraufhin ich eine ziemlich unsachliche, sehr persönlich formulierte Replik von Nicole Müller-Orth bekam (also sie hat zumindest unterschrieben, in wie weit ihre Worte in diese Replik eingeflossen sind, darüber kann ich nur spekulieren).

    Wie auch immer, ich fand es wichtig, Frau Lemke an ihre Zusage zu erinnern, denn bislang gibt es noch keinerlei Anzeichen dafür, dass das zugesagte Geld auch wirklich unterwegs ist. Das zuständige Landesamt, welches die Untersuchungen durchführen soll, kann zumindest außer heißer Luft noch nichts vermelden – und macht das, was jeder kluge Mensch macht: Kein Geld, keine Arbeit.

    Würd ich auch so machen.

    An dieser Front herrscht also das Warten auf’s Christkind, aber an anderer Stelle tut sich was. Die Firma Mendiger Basalt stand ja am Ende ziemlich schlecht da, nachdem so ziemlich jede Zusage nicht eingehalten wurde war die Glaubwürdigkeit völlig am Boden. Im Mittelpunkt dieser ganzen Aktion stand ein Mann, Rainer Krings, auf den sich die Aufmerksamkeit, aber auch die Wut konzentrierte. Er sagte etwas – und genau das Gegenteil von dem, was er angab trat ein – wie sollte bei einem solchen Geschehen so etwas wie Vertrauen entstehen?

    Mittlerweile weiß ich mehr. Ja, Rainer Krings hat an vielen Stellen Dinge getan und gesagt, die nicht richtig waren. Und ja, er ist kein „leichter Mensch“. Wären Sie aber auch nicht, wenn Sie mit dem Rücken zur Wand stünden. Und das tut Herr Krings.

    Aber er hat sich nicht zurückgelehnt und gejammert, er hat nach einem Ausweg gesucht und lud nun Vertreter von Presse und Politik ein, um einem Test beizuwohnen, bei dem eine alternative Methode demonstriert werden sollte, wie man dem harten Basaltgestein zu Leibe rücken kann.

    Jetzt kann man sich auf den Standpunkt stellen:

    „Neee, mit dem rede ich nicht mehr, der hat mich die ganze Zeit vera***, jetzt will ich nicht mehr.“

    Dann sagt man freundlich seine Teilnahme ab und lässt die Fronten noch ein wenig verhärten. Man hat ja sonst nix zu tun.

    Kommt man der Einladung aber nach, dann zeigt man, dass man gesprächsbereit ist, dass man die Hand reicht, an einem friedlichen Zusammen interessiert ist. Also das war jetzt meine erste Reaktion und ich bin hin zur Firma Mendiger Basalt, als sie mich einlud.

    Als ich ankam, stieg der Besitzer des Unternehmens gerade in sein Auto und wollte fahren. Auf meine Frage, wo er denn hinwolle bekam ich die Antwort, er müsse der Demonstration auf ausdrücklichen Wunsch der Stadtspitze fernbleiben.

    Wie bitte?

    Das bekam natürlich auch die Presse mit und befragte gleich Hans-Peter Ammel, als der das Gelände betrat. Ein wenig verhaspelt antwortete er dann kryptisch, ja also, es habe da neue Zuständigkeiten gegeben und überhaupt, Herr Krings sei ja nun gar nicht mehr für die Sprengungen zuständig und man habe deshalb an das Bergamt die Frage gestellt, warum er denn dann überhaupt da wäre…

    Wie bitte?

    Dem Mann gehört vielleicht der Laden? Ich meine, wo kommen wir denn da hin, wenn jetzt eine Stadtspitze einem Unternehmer untersagt, bei einer Testsprengung auf dem eigenen Werksgelände anwesend zu sein?

    Es kam wie es kommen musste. Als ich insistierte musste ich miterleben, wie sich Stadtspitze und Bergamt gegenseitig die Verantwortung für diese Sache zuschoben. Dann tauchte der Name einer (oder zwei) grüner Politikerinnen auf und die Sache war für mich klar. Wenn die Grünen vieles auch nicht so besonders gut können, in einer Sache sind sie wirklich kaum zu übertreffen:

    Feindbilder schaffen.

    Nur dass so etwas extrem schlechter Stil ist, auch wenn man es zu seinem Markenzeichen macht. Ich war traurig und empört, dass bei einer Veranstaltung, die möglicherweise der Beginn neuer Verhandlungen, neuer Diskussionen und einer neuen Art der Zusammenarbeit werden könnte, bereits zu Beginn wieder Gräben aufgerissen werden, die die weitere Entwicklung belasten. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich stelle mich nicht explizit vor einen Herrn Krings, vor eine Firma Mendiger Basalt, ich stelle mich nur gegen etwas: Gegen Ignoranz, Überheblichkeit, Unversöhnlichkeit und vor allem: gegen Dummheit.

    Denn sind wir mal ehrlich. Neben der Tatsache, dass wir angehalten sind, Menschen und Gebäude in Mendig zu schützen – und damit das klar ist, der Schutz der Anwohner und der Lavahöhlen ist mir mehr als wichtig – sind wir auch angehalten, ein Unternehmen, das in Mendig ansässig ist und Arbeitsplätze schafft, Gewerbesteuer zahlt und den Namen Mendig repräsentiert, fair zu behandeln und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, mit der alle leben können.

    Ich halte es da irgendwie christlich, ich gebe niemanden auf. Ich gebe neue Chancen, wenn mich jemand darum bittet. Ich gebe keinen Vertrauensvorschuss, aber ich gebe die Chance, sich neues Vertrauen zu erarbeiten. Das sollte sich die Stadtspitze hinter die Ohren schreiben. Und Hans-Peter Ammel sollte überlegen, für wessen Hass er da gerade seinen Kopf hinhält. Denn diese Nummer passt irgendwie nicht zu ihm.

    Ach ja. Und dann war da ja auch noch die Sprengung. Was soll ich sagen. Es hat überhaupt nicht weh getan. Noch nicht mal „Buff“ hat es gemacht, ein wenig gegrollt vielleicht, aber wirklich nichts, was man ernsthaft spüren konnte.

    Jetzt bleibt abzuwarten, ob die Mendiger Basalt in der Lage ist, mit dem so gewonnenen Material wirklich zu arbeiten, ob das Ganze wirtschaftlich zu betreiben ist. Ich würde es mir wünschen. Und ich würde mir wünschen, dass der Dialog mit dem Unternehmen weitergeht.





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Mittwoch, 14. März 2012 um 09:53 in der Kategorie LARP. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
  • 1 Kommentar

    1. Bernd Glas
      Mittwoch, 14. März 2012

      Es ist schon traurig so was zu Lesen, der Inhaber ist bereit für Gespräche aber diese Bereitschaft wird durch Pseudo-Grüne verhindert bzw. zunichte gemacht.
      Man sollte sich mal vor Augen führen was den passieren würde wenn dieser Unternehmer heute sagen würde, Danke für die Jahre aber ich schließe meinen Laden.
      Dann ist das gejammere auch riesengroß, ach oh weh die vielen Arbeitsplätze und die Steuereinnahmen die verloren gingen.

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