• Tag zusammen. Nun habe ich also die Entscheidung getroffen. Ich habe sie mir fürwahr nicht leicht gemacht, aber es musste sein. Ich nehme Sie mit, wie immer, also verlassen Sie gemeinsam mit mir das Rathaus und begeben sich an den Ratstisch… ganz unten…

    In diesem Sinne

    Ihre Jutta Schützdeller

    Offener Brief

    Mendig, 20.04.2011

    Sehr geehrter Herr Bürgermeister Hans Peter Ammel,

    hiermit trete ich mit sofortiger Wirkung vom Amt der dritten Beigeordneten der Stadt Mendig zurück.

    Ich habe das Amt nach der letzten Kommunalwahl mit großer Freude und Engagement übernommen. Stets habe ich mich bemüht, in einer offenen und fairen Weise zum Wohl unserer Bürgerinnen und Bürger meine Fähigkeiten in die Arbeit der Stadtspitze einzubringen. Hierzu habe ich versucht, die mir aus meiner beruflichen Erfahrung zu Grunde liegende stringente, strukturierte und sachlich-wirtschaftlich orientierte Arbeitsweise ebenso einzubringen wie die tiefe Verbundenheit mit meiner Heimatstadt und ihren Bürgern. Ich musste in den vergangenen anderthalb Jahren feststellen, dass sich die Vorgehensweise des Bürgermeisters und seines ersten Beigeordneten vorwiegend dadurch auszeichnet, dass die Stadtspitze wenig planvoll und strukturiert arbeitet, vorwiegend reagiert und seltenst agiert und dass ihre Handlungen von irrationalen Ängsten den politischen Gegner betreffend dominiert sind.

    Besonders auffällig wurde mir dies im Fall der Ansiedlung von Einzelhandelsunternehmen  an der A61, wo sich zeigte, dass ein differenziertes Betrachten unterschiedlicher Ansichten zu diesem Thema offenbar nicht möglich war und ein Abweichen von der sozialdemokratischen Denkweise automatisch zu einem kompletten Vertrauensverlust führte. Meine Ansicht, dass eine Stadtspitze vornehmlich daran interessiert sein sollte, Projekte zu verwirklichen, als sie zu verhindern, wurde allenfalls als Verrat interpretiert. Im weiteren Verlauf begann dann die nur noch auf das notwendigste beschränkte Weitergabe von Informationen, die für mein Arbeiten von allergrößter Bedeutung gewesen wären.

    Die unselige personelle Verfügbarkeit des Bürgermeisters hat von Beginn an dazu geführt, dass ein kontinuierliches Arbeiten so gut wie nicht möglich war und ist. Ich habe meinen Teil zur Abdeckung der Fehlzeiten des Bürgermeisters beizutragen versucht, ein durchgängiges Arbeiten und Handeln ist auf diese Weise jedoch nicht möglich, wie sich u.a. am unbefriedigenden und langwierigen Verlauf der Verhandlungen um den Neubau des Kindergartens zeigt. Gerade im Rahmen dieses für Eltern und Kinder so zentralen Projektes und der Konfrontation mit einem mehr als schwierigen Vertragspartner hätte sich meines Erachtens eine effizientere Vernetzung der Beteiligten und ein strategisch klügeres Vorgehen positiv auf den Verlauf ausgewirkt. Auf Grund der oben beschriebenen irrationalen Ängste war das aber augenscheinlich nicht möglich, sodass Eltern und Kinder noch immer auf eine Entscheidung warten müssen.

    Ich habe zudem in der jüngsten Vergangenheit bereits (auch schriftlich) angemahnt, dass ich seitens des Bürgermeisters nicht mehr ausreichend informiert werde und bekam zur Antwort, dass auf Grund des mangelnden Vertrauens Informationen erst an mich weitergegeben werden, wenn sie „öffentlichkeitsreif“ seien. Das entspricht nicht meiner Vorstellung von einer Zusammenarbeit in einer Stadtspitze. Nun musste ich erfahren, dass am gestrigen (19.04.11) Tag nicht nur eine wesentliche zusätzliche Information bezüglich des Kindergartenneubaus zwar an die beiden anderen Beigeordneten, aber nicht an mich weitergegeben wurde, sondern auch vor ein paar Tagen eine neue Verhandlung der Stadtspitze mit dem Bistum Trier stattfand, ohne dass ich davon in Kenntnis gesetzt wurde.

    Das sind für mich eindeutige Zeichen, dass auch Seitens der Stadtspitze kein Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit besteht.

    Ich kann für meinen Teil nicht verantworten, weiter die in meinen Augen vorwiegend ungeschickte, wenig strukturierte und planlose Arbeit des Bürgermeister, seiner Beigeordneten und seiner Fraktion weiter zu tragen. Ich bin davon überzeugt, dass ich den Bürgerinnen und Bürgern von Mendig durch eine gute Oppositionsarbeit bessere Dienste leisten kann.

    Hochachtungsvoll

    Jutta Schützdeller





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Mittwoch, 20. April 2011 um 11:36 in der Kategorie Filme, Bücher, Politik, LARP. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
  • 1 Kommentar

    1. Philipp
      Dienstag, 3. Mai 2011

      Scheint eine allgemeine SPD-Krankheit zu sein, das mit dem Durchdrücken von Prestigeprojekten auf Teufel komm raus. Haben wir hier in Fürth aus. Grüße von einem Grünen :)

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