• Ausgesprengt?

    Hallo Allerseits…

    war ein paar Tage etwas ruhiger hier auf der Seite, was aber nicht bedeutet, dass es nichts zu erzählen gäbe…

    In der vergangenen Woche teilte das Landesamt für Geologie und Bergbau (an dieser Stelle seien auch die Leser dieser Behörde ganz herzlich begrüßt^^) der Stadt Mendig mit, dass es wohl in diesem Jahr keine Sprengungen mehr seitens der Firma “Mendiger Basalt” mehr geben wird.

    Inzwischen ist über die Sache natürlich schon eine Menge Schnee gefallen und es steht außer Frage, dass sich bei einem derart traumhaften Vorweihnachtswetter niemand mehr an die Gewinnung von Basaltschotter macht, aber zum Zeitpunkt der Verlautbarung sah nicht nur das Wetter noch ganz anders aus…

    Erinnern wir uns kurz, bei der letzten “Testsprengung” hatte es ordentlich gerummst. Das Gesicht des Leiters des Bergamtes sprach denn auch schon Bände, als er den wartenden Anwohnern die Ergebnisse der aktuellen Sprengung mitteilte:

    “Tja, sie haben  es wahrscheinlich schon bemerkt (ja! hatten wir!), aber die Sprengung ist nicht so gelaufen, wie wir uns das gewünscht haben…”

    Ach?

    Was war passiert? Nun, ich sage mal so, irgendwie hat irgendwer entschieden (so sagt man jetzt zumindest), dass man die Abstände zwischen den beiden Sprengungen (es gibt immer zwei) verkürzt. Bislang hatten wir Abstände von 3 bzw. 6 Sekunden, nun kam wohl jemand auf den glorreichen Gedanken, man könne den Abstand doch mal auf eine zehntel Sekunde reduzieren und schauen, was so passiert.

    Ganz ehrlich, als Professor Ehses das mitteilte, dachte ich, mein Schwein pfeift.

    Erinnern wir uns nochmal: Was hatten wir denn im Juli, als es so mächtig krachte und bebte? Hmm?

    Ja genau, da hatte jemand die Zündabstände dergestalt reduziert, dass es sie faktisch gar nicht mehr gab. Was passierte, und das kann der geneigte Leser alles im vorläufigen Gutachten des Herrn Professor Tudeshki nachlesen (jetzt geht das mit den Professoren schon wieder los…) war, dass sich die Schwingungen addierten und aus einem ohnehin mächtigen Bumms ein gewaltiger Bumms wurde, der sich aus allen Grenzwerten herauskatapultierte.

    Nun kann man natürlich sagen, dass bei der Sprengung im Juli neben diesem unwesentlichen Detail auch noch ALLE weiteren Vorschriften links liegen gelassen wurden und man daher… nun…. was eigentlich? Muss man damit rechnen, dass jetzt alle Verstöße einzeln nochmals nachvollzogen werden, um herauszufinden, welcher davon der Schlimmste war?

    Nein, das wäre unfair, obwohl ich mich schon frage, was in dem ein oder anderen Kopf eigentlich so vorgeht…

    Wissen Sie, wenn jemand einen wissenschaftlichen Test durchführt, dann macht er das in der Regel nach vorgegebenen Methoden. Man will am Ende ein reproduzierbares, aussagekräftiges und nachprüfbares Ergebnis haben. Also das würde ich wollen, wenn ich nun der Wissenschaftler wäre. Man weiss ja, dass sich Wissenschaftler gegenseitig gerne mal ein Auge aushacken, also mache ich die Sache so sicher, wie möglich. Dazu bediene ich mich erprobter Methoden, die die neidischen Kollegen kennen und akzeptieren und schon habe ich mein Schäfchen, also mein Ergebnis, im Trockenen.

    Sie werden sich jetzt fragen: Ja aber, aber, werden denn nicht nach eben genau so einer Methode die Tests durchgeführt?

    Ehrlich?

    Keinen blassen Schimmer.

    Ich habe wirklich keine Ahnung von Geophysik, kenne mich mit Sprengungen nicht aus und kann nur immer wieder sagen, dass ich an dieser Stelle außer meinem gesunden Menschenverstand und meiner Skepsis nicht allzu viel anzubieten habe. Aber eigentlich sollte das egal sein, wenn ich als Gutachter bei einem solchen Projekt zum Einsatz komme, wo ich die Anwohner und die Stadt schon auf den Barrikaden weiß, dann gehe ich doch zunächst mal dort hin und gebe den Erklär-Bär.

    Ich schraube meine Ansprüche runter, denke an die Feuerzangenbowle und beginne mit den Worten:

    “Stellen mer uns ma janz dumm… Watt is enne Dampfmaschinn?”

    Bis heute hat mir niemand erklärt, nach welcher Methode da überhaupt vorgegangen wird. Im Gegenteil, anstatt sich den wissenschaftlichen Touch zu geben, höre ich Sätze wie: “Ob  wir noch eine Testsprengung machen, hängt davon ab, ob Herr Krings noch Material benötigt…”

    Bitte? Nochmal…

    “Ob wir noch eine Testsprengung machen hängt davon ab, ob Herr Krings noch Material benötigt…”

    Ach ja? Ich denke, da wird gerade ein Test gemacht? Ein Test, bei dem es darum geht, mittels einer sich mir nicht erschließenden Methode einen Weg zu finden, das Hab und Gut und bitte bei dieser Gelegenheit auch Leib und Leben der Menschen zu schützen, die dort leben. Habe ich da eventuell etwas falsch verstanden? Was hat bitte das Bedürfnis des Herrn Krings nach Material damit zu tun?

    Keinen blassen Schimmer…


    So. Und nun aslo keine Sprengungen mehr in diesem Jahr.

    Das ist natürlich zunächst einmal eine wunderbare Nachricht, vor allem für die Anwohner des Gebietes, die sich nun in aller Ruhe auf das Fest vorbereiten können, ohne Angst zu haben, dass ihnen jemand das Christkind aus der Krippe sprengt.

    Aber ich traue dem Frieden nicht. Nach dem Grund für die Aussetzung der eigentlich noch anstehenden Sprengung gefragt, wurde mir mitgeteilt, die Firma Mendiger Basalt befasse sich gerade mit Wirtschaftlichkeitsprüfungen…

    Aha?

    Also auf gut deutsch denkt man nach, ob sich die Sache überhaupt noch lohnt? Nun muss man wissen, (und wir wissen ja alle) dass die Vorschriften, an die sich die Firma Mendiger Basalt bei den letzten “Tests” gehalten hat, nicht neu sind. “Eigentlich” hätte man ja schon immer so sprengen müssen, nicht wahr? Und “eigentlich” macht man sich im Vorfeld eines derart wesntlichen Eingriffs in die strukturelle Integrität seines Umfeldes durchaus darüber Gedanken, ob sich die Sache denn eigentlich lohnt. Also einerseits wirtschaftlich, und andererseits muss man sich auch fragen, ob der ganze Ärger, der mit solchen Sprengungen verbunden ist, überhaupt Sinn macht. So völlig für Nix eine aufgebrachte Frau Schützdeller am Hals, also das überlegt man sich in der Regel mehrfach. Besser is das…

    Um so erstaunter bin ich denn auch, dass ich jetzt erfahre, dass man sich nun, letztlich, endlich, doch mit dieser epochalen Frage auseinandersetzt.

    Und sofort dreht sich das Räderwerk hinter meiner Stirn und das kleine, fiese Männlein in meinem Ohr stellt mir Fragen wie: Wenn man sich jetzt, auf ein Mal Gedanken darüber macht, ob sich das Ganze wirtschaftlich lohnt, diese Frage aber erst jetzt, wo man vorschriftsmäßig sprengt, auftaucht, WAS war denn bitte vorher? Hat man sich da einfach nicht mit der Frage beschäftigt oder stellte sie sich nicht, weil man nach anderen Prioritäten vorging? Weil immer genug Material abfiel, weil man sich um Grenzwerte nicht ganz so genau kümmerte?

    Sehen Sie, dieses Männlein in meinem Ohr sagt immer solche Sachen, ich kann da gar nichts dran tun…

    Und nun warten wir mal wieder ab. Warten darauf, ob es weiteren Sprengungen geben wird, aber wer die veranlasst, wissen wir nicht. Ob sie der Herr Professor Tudeshki haben will oder der Herr Krings entscheiden kann, ob noch Mal getestet wird, wissen wir nicht.

    Aber im Moment ist Ruhe, und das ist ja auch schon mal was. Leise kann der Schnee rieseln, während ich hier sitze und schreibe tut er das auch ausgiebig, allerdings nicht ganz so leise, denn es stürmt ganz ordentlich. Aber das ist mir egal, denn das findet über meinem Kopf statt und nicht unter meinen Füßen…

    In diesem Sinne

    Ihre Ersatzbürgermeisterin

    Image: H.-W-Balmes





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Mittwoch, 8. Dezember 2010 um 20:19 in der Kategorie Filme, Bücher, Politik. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
  • 1 Kommentar

    1. Bernd Glas
      Mittwoch, 8. Dezember 2010

      Na das is wirklich schon sehr seltsam wie da virgegangen wird.
      Aber Jutta hat ja ein Auge drauf
      Weiter so

      Bernd

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