• “Die machen doch eh, was sie wollen…”

    …. höre ich oft, wenn ich mit Menschen ins Gespräch komme. Irgendwo auf dem Weg vom ehrenamtlichen zum hauptamtlichen Politiker lauert scheinbar ein schrecklicher Virus, der aus einem engagierten, geraden und integren Menschen jenes weichgespülte und oportunistische Etwas  macht, das die Bürgerinnen und Bürger anschließend in der Presse serviert bekommen. Mit dem oder der möchte man dann anschließend nichts mehr zu tun haben, außer vielleicht, sich trefflich über sie zu aufzuregen.

    Aber ist es wirklich so, dass ein Politiker “mutiert” und zu etwas wird, das er zu Beginn seines Engagements noch mit Bausch und Bogen verurteilt hat?

    Ich kann da zunächst nur von mir sprechen, ich bin gestartet als “außerparlamentarische Kommunalopposition” und habe versucht, die FDP in meiner Heimatstadt wieder in die Räte zu bekommen, weil ich der Ansicht war, dass liberales Gedankengut immer und überall ein wichtiges Element der Meinungsbildung ist. Ich scheute mich nicht, Forderungen aufzustellen und Fragen aufzuwerfen, Gegenpositionen zu entwerfen und den Finger in jede Wunde zu legen, die mir unter die Augen kam.

    Den Wählern schien das zu gefallen und sie gaben den Liberalen ihr Votum – nun sind wir in Stadt- und Verbandsgemeinderat vertreten, in meiner Heimatstadt stellen wir sogar eine Beigeordnete, mich.

    Hat sich etwas in meiner Denkweise verändert? “Glaube” ich mittlerweile an andere Dinge? “Sehe” ich bestimmte Sachverhalte nun anders?

    Ja. Tue ich, und das hat seine Gründe.

    Manchmal beneide ich diejenigen politischen Mitbewerber, die sicher sein können, niemals “Regierungsverantwortung” zu tragen, denn sie können fordern, ohne je selber gefordert zu werden. Es ist leicht, etwas zu monieren, wenn man sicher sein kann, dass einem niemals die Frage gestellt werden wird, wie man denn gedenkt, seine Forderungen letztlich umzusetzen.

    Ich für meinen Teil bin in der Reallität angekommen. Ich habe nichts von meinem “Biss” verloren und sehe so ziemlich alle Dinge noch genau so und auf die gleiche Art und Weise, wie ich es tat, als ich noch keine Beigeordnete war. Heute jedoch bin ich gezwungen, meine Forderungen in einem größerern Kontext zu sehen. Was ich an der einen Stelle fordere, schränkt an einer Anderen möglicherweise “die Freiheit” eines Anderen ein, ich kenne langfristige Verträge und Verbindlichkeiten meiner Heimatstadt und muss in vielen Situationen, oft schmerzlich anerkennen, dass ein “schnelles Ändern” schon rein rechtlich nicht möglich ist.

    Dann sitze ich also da, die Presse ist anwesend und beobachtet mein Handeln. Meine Hand zuckt und möchte in die Höhe schnellen, aber ich weiss, dass, was ich da gerade aus tiefstem Herzen und mit bester Absicht entscheiden möchte, ist nicht drin. Unmöglich. Zumindest nicht direkt. Punkt.

    Meine Hand bleibt unten und die Öffentlichkeit erfährt, dass ich gegen etwas gestimmt habe, für dass ich vor ein paar Wochen noch vehement eingetreten bin. Bin ich nun auch “mutiert”? Habe ich meine Ideale verraten?

    “Ihr macht doch eh, was ihr wollt,” höre ich meine Gesprächspartner schon sagen, aber genau das Gegenteil ist oftmals der Fall. Wir gehen Kompromisse ein, wir paktieren mit dem Beelzebub, um den Teufel auszutreiben und vor allem sind wir gezwungen, Dinge langfristig anzugehen, weil in der Politik nichts, aber auch gar nichts “mal eben so” gemacht werden kann.

    Was letztlich beim Wähler ankommt, ist meistens etwas vollkommen Anderes und ich habe mir die Frage gestellt, was ich tun kann, um dem entgegen zu wirken.

    Meine Lösung heisst: Reden, Schreiben, Zeigen.

    Alles, was nicht laut Gemeindeordnung der Schweigepflicht unterliegt, teile ich mit in der Hoffnung, dass sich Interessierte finden, denen die Hintergründe einer Entscheidung wichtig sind.

    Für Sie ist diese Website, wegen Ihnen schreibe ich. Und ich freue mich, dass Sie da sind. Ehrlich.





    Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Sonntag, 31. Januar 2010 um 13:27 in der Kategorie LARP. Kommentare zu diesem Beitrag können Sie lesen über den RSS 2.0 feed. Sie können hier kommentieren, oder einen trackback von Ihrer Website setzen.
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